Mittags im Bad Belziger Wohngebiet Klinkengrund. In der Hans-Marchwitza-Straße wachsen wieder einmal Sperrmüllberge. Nicht nur an den dafür vorgesehenen Abstellflächen. Auch vor Wohnblocks säumt ausrangiertes Mobiliar den Gehweg. Dazwischen liegen Elektronikschrott, Haushaltsgegenstände, Kinderspielzeuge und mehr. Dabei wurde erst kürzlich der Sperrmüll im Quartier abgefahren.

Elfriede Horn bemängelt die Zustände

"So schlimm wie es jetzt gerade ist, war es noch nie", klagt Elfriede Horn. Die Bad Belzigerin lebt seit 1972 im Wohngebiet und ärgert sich über die ständigen Müllansammlungen. "Und damit ist Frau Horn nicht allein", sagt Lydia Näther. Sie ist Quartiersmanagerin im Klinkengrund. Immer wieder kommen Bewohner zu ihr in die Klinke 1 und bringen ihren Unmut darüber zum Ausdruck. Berechtigt wie Lydia Näther findet.

Klinkengrund eigentlich ein schönes Wohnquartier

Trotz aller Bemühungen hat sich die Situation nach ihrer Einschätzung nicht gebessert. Mit Blick auf den Sperrmüll am Straßenrand sagt sie: "Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll" und weist auf Infotafeln, auf denen genau erklärt ist, wie Müll richtig zu trennen ist und was wo und wie entsorgt werden kann. Diese Informationen, so die Quartiersmanagerin, erhalten zusätzlich alle Mieter beim Einzug. "Ich bin fassungslos wenn ich das hier sehe und kann es nicht verstehen. Der Klinkengrund ist eigentlich ein schönes Wohnquartier. Aber er wird durch die Müllablagerungen hässlich gemacht", so Näther mit deutlichen Worten und ergänzt „es macht keinen Spaß mehr."

Quartiersmanagerin Lydia Näther verzweifelt fast

Schließlich ist sie meist die erste, bei der Beschwerden ankommen. Wie oft sie den Satz - wie sieht das denn hier schon wieder aus - in den vergangenen Monaten schon gehört hat, vermag sie nicht zu sagen. Deshalb mahnt die Quartiersmanagerin eindringlich mehr Sauberkeit im Wohngebiet an. Sie appelliert an das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen und bittet Anwohner, die Ablagerungen von Müll beobachten - ob Sperrmüll oder Hausmüll, der anstatt in der Mülltonne im Papierkorb auf der Straße entsorgt wird - , dies zu melden; sich auch Autokennzeichnen zu notieren.
Detlef Schwarz, langjähriger Hausmeister bei der Bewog, kann den Ärger verstehen. Sagt aber auch: "Es ist ein altes Problem und ein Problem, dass es in jeder Stadt gibt."

"Mülltourismus" im Klinkengrund

Die extreme Häufung der Müllablagerungen in der zurückliegenden Woche erklärt er mit mehreren Wohnungsauflösungen im Quartier. "Es lässt sich nicht immer einrichten, dass der Sperrmüll erst am Tag vor der Abholung rausgestellt wird", so Schwarz. Problematisch wird es dann, wenn Vorbeikommende im Sperrmüll kramen, einiges wegnehmen, anderes dazustellen. Der "Mülltourismus" - wobei Schmutzfinken ihren Müll aus der Stadt oder den nahe liegenden Kleingärten im Quartier ablagern - ärgert aber auch ihn. Eine Lösung, dem zu begegnen, hat er aber auch nicht parat.

Leute zu faul Müll zu sortieren

Für Ärger hatte auch der Niederflurcontainer in der Erich-Weinert-Straße gesorgt. Berge von Pappkartons und geschreddertem und in gelbe Säcke gestopftem Papier hatten bei Anwohnern und Vorbeikommenden großes Unverständnis hervorgerufen. "Dabei sind die Container meistens leer. Die Leute sind nur zu faul, die Kartons auseinanderzufalten damit sie hinein passen", kritisiert Lydia Näther, die sich mit der Situation nicht zufrieden geben will - stapelten sich dort schon wieder die Pappkartons.