"Ich finde die Teilnahme an der Tour de Tolerance ist eine Möglichkeit, Farbe zu bekennen", sagte Stephanie Zins aus Lüdersdorf bei Wriezen. Es gehe ihr um Menschlichkeit, darum keine Unterschiede Menschen zu machen und sich zu engagieren. "Ich möchte einfach zeigen, wie notwendig Toleranz ist", begründete Claudia Ramm ihre Teilnahme. Gerade diese 14. Tour ist umso wichtiger", erklärte Gernot Schmidt. Bei der ersten Tour habe noch niemand gewusst, wie sich Europa entwickelt. Es sei wichtig, die Stimme zu erheben. Denn Europa drohe auseinander zu brechen. Der Landrat fuhr jedoch nicht mit, weil sich die notwendige Kondition nicht habe. Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos) hatte sich unter die Radfahrer gemischt und fuhr die erste Etappe mit. Die Stadt ist in diesem Ausrichter der Tour de Tolérance.
Die jüngste Teilnehmerin war acht Jahre alt, die älteste 87. Charlotte Henze aus Rehfelde fährt auch fast jede Tour de MOZ mit. Diesmal hatte die Teilnahme für sie nicht nur sportlichen Charakter. "Wir wollen ein Zeichen setzen", sagte ihr Begleiter Claus-W. Kay aus Strausberg. Sie seien fast jede Tour zusammen gefahren, auch in Berlin, als 600 Radfahrer zusammenkamen
Angeführt von einer Staffel von zehn Polizeimotorrädern brach der Pulk in Richtung Wriezen auf. "Ich finde es kolossal, dass die Beteiligung so gut ist", freute sich Heidlinde Benzinger aus Eberswalde, die die Tour de Tolérance vor 14 Jahren mit aus der Taufe gehoben hatte und sie stets zusammen mit dem Altranfter Günter Grützner organisiert. In einer Zeit rechtsextremer Umtriebe sei die Tour wichtiger den je.
Den ersten Stopp legten die Radfahrer am Übergangswohnheim Bliesdorf bei Wriezen ein. Karsten Birkholz, Amtsdirektor des Amtes Barnim-Odrbruch, und die Landtagsabgeordnete Simona Koss (SPD) empfingen die Radfahrer.
"Es freut mich, dass die erste Station hier am Asylbewerberheim ist", sagte der Verwaltungschef. Mit 325 Bewohnern sei in Bliesdorf das größte Flüchtlingsheim im Landkreis. Dort leben derzeit auf engstem Raum Menschen vieler Nationen zusammen, darunter Afghanen, Syrer, Iraner, Eriträer, Kosovaren, Albaner. Weil das Gebäude nicht reicht, wurde auch die Ausbildungshalle des ehemaligen Überbetrieblichen Ausbildungszentrums, eher als ÜAZ bekannt, mit Betten voll gestellt werden. Der Amtsdirektor erklärte, dass die Deutschkenntnisse weiter verbessert werden müssten.
Erste Kontakte knüpfte Ingo Mohr aus Ahrensfelde. Er kam ins Gespräch mit Arsalan Hajighasm und Arash Groz. Beide sind Iraner, haben sich aber erst in Bliesdorf kennengelernt. Arsalan Hajighasan kann sich bereits einigermaßen auf Deutsch verständigen, obwohl er erst vor vier Wochen in Bliesdorf angekommen ist. Die Wohnsituation sei nicht einfach, weil so viele Menschen auf engem Raum zusammenleben. 200 Menschen leben in der Halle, verfügen kaum über Privatsphäre. Sie müssen sich vier Toiletten teilen. Ein Container wurde aufgestellt. Aber dennoch ist er zuversichtlich und will seine Sprachkenntnisse weiter verbessern
Bodo Böhlemann von der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg organisierte den Ablauf der Tour und koordinierte Radfahrer, Polizei- und Begleitfahrzeuge. Ein Bus der Barnimer Busgesellschaft, finanziert von der Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH, folgte dem Tross, um Radfahrer aufzunehmen, die das Tempo nicht mithalten konnten.
25 Polizeischüler begleiteten als Ordner, nicht als Polizisten erkennbar, die Tour. "Es ist eine gute Übung für sie, Menschen zu beobachten, einzuschätzen und selbstständig einzugreifen, wenn sie gebraucht werden, erklärte Böhlemann, der normalerweise den Nachwuchs für die Fachhochschule rekrutiert.
Nach Bliesdorf führte die Tour nach Neuhardenberg, zur Gedenkstätte Seelower Höhen. Dort legte jeder Radfahrer eine weiße Rose an einem Grab ab. Über Letschin radelten die Menschen zurück zum Schloss Altranft.