Es geht um Toleranz, Menschlichkeit, Zivilcourage. Große Worte, deren Bedeutung alltäglich sein sollte, ohne dass man viel darüber nachdenkt. Und doch kann man sie mindestens einmal im Jahr in Märkisch-Oderland gemeinsam "leben" - bei der "Tour de Tolérance". Dahinter verbirgt sich eine Fahrradtour, die durch Berlin und Brandenburg führt. Zum 14. Mal findet sie in diesem Jahr statt. Und zwar am Sonnabend, den 19. September.
Sozusagen das Zepter hat in diesem Jahr die Stadt Bad Freienwalde übernommen. Vom Schloss Altranft aus soll die Tour diesmal entlang der B 167 führen. Besonders ist, dass auf der Strecke alle Unterkünfte von Flüchtlingen angesteuert werden, die sich in dem Bereich befinden. Dazu gehören Bliesdorf, Neuhardenberg und Voßberg in der Gemeinde Letschin. Freienwaldes Bürgermeister und damit Veranstalter Ralf Lehmann wird die Fahrradfahrer an dem Tag begrüßen und einen Teil der Strecke mitfahren, sofern es sein Zeitplan erlaubt. Karsten Birkholz, Amtsdirektor von Barnim-Oderbruch, unterstützt das Anliegen ebenfalls. "Die Tour setzt ein Zeichen für die gesellschaftliche Akzeptanz Andersdenkender, Menschlichkeit und Zivilcourage", sagte er. Und auch Landrat Gernot Schmidt hob die Wichtigkeit dieser sportlich-zeichensetzenden Veranstaltung hervor. "Ich freue mich über das große Engagement der Tour-Organisatoren", sagte er am Freitag. Der Landkreis unterstützt die Tour seit Jahren. Auch in diesem Jahr wird der Landrat am 19. September dabei sein. In welchem Umfang er mitradeln wird, steht unterdessen noch nicht fest.
Am 19. September ist der Treffpunkt am Altranfter Schloss bereits um 7.30 Uhr eingerichtet. Die Radfahrer können sich dann in ausliegende Listen eintragen. "Damit ist der Versicherungsschutz gewährleistet", erklärt Heidlinde Benzinger vom dreiköpfigen Organisationsteam. Jeder Teilnehmer zahlt fünf Euro in die Tour-Kasse und erhält dafür ein T-Shirt, Getränke und Obst für die Strecke. Mit mehr als 90 Kilometern fällt diese während ihrer 14. Auflage so ambitioniert wie selten aus. Allerdings handelt es sich bei dem Radweg eher um eine leichtere Tour. Die Veranstalter rechnen erneut mit 100 Teilnehmern. Tendenz: aufsteigend.
Der Hintergrund der "Tour de Tolérance" könnte seinen Ursprung aufgrund der aktuellen Ereignisse auch im Jahr 2015 haben, so präsent ist die dramatische Geschichte, auf der die Tour basiert. In der Nacht auf den 25. November 1990 zogen rechtsextreme Jugendliche durch die Waldstadt Eberswalde. Auf der Jagd nach afrikanischen Mitbürgern. Ein Opfer dieser Hetze war der angolanische Vertragsarbeiter Amadeu Antonio Kiowa. Er überlebte die Verletzungen, die ihm Rassisten mit Baseballschlägern zugefügt hatten, nicht. Amadeu starb zwei Wochen nach den Angriffen. Er war das erste Todesopfer rassistischer Gewalt nach der Wende. Die Stadt, der Landkreis Barnim und das Land Brandenburg mussten damals ein Zeichen setzen. So entstand die Idee der "Tour de Tolérance". Das war im Herbst 2000. Die erste Tour startete wenig später am 22. März 2001 auf dem Eberswalder Marktplatz.
Weitere Infos unter www.tourdetolerance.de oder telefonisch 03344 412148