Für viele ist es Tradition: Am 31. Dezember gibt es Karpfen. Bei der Familie von Fischer Hannes Böhm ist das anders: "Für die Zubereitung von Fisch muss man sich Zeit nehmen, dann wird es auch ein richtiges Festessen", findet der 48-Jährige. "Bei uns gibt es erst an Neujahr Karpfen." Böhm isst am liebsten Karpfen blau, Ehefrau Martina und die zwei Töchter essen gedünsteten Hecht. Den Karpfen bereitet Böhm ganz klassisch zu: "Der Fisch wird in Portionen geschnitten und mit Essigwasser begossen, bis die Haut blau wird", erklärt der Harnekoper. "Dann kommen die Stücke für 15 Minuten in einen Sud mit Suppengrün, dazu gibt es Kartoffeln und aus dem Sud mache ich mit einer Mehlschwitze eine Soße."
Während viele Brandenburger Teichwirte über ein schlechtes Karpfenjahr klagen, blickt Böhm zufrieden zurück. "Wir hatten ein gutes Jahr." Der Grund für die geteilten Meinungen zum vergangenen Jahr ist einfach: "Ich beziehe meine Fische aus Seen in Harnekop und Mecklenburg-Vorpommern und nicht aus Teichen." Der Unterschied, erklärt Böhm, liege darin, dass der Teich nicht sehr tief ist und bei den Temperaturen im Sommer der Wasserstand sehr niedrig war. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Teich und die Fische drohen zu ersticken. "Im Teich haben die Fische wenig Ausweichmöglichkeiten, weil er überall gleich tief ist, das ist bei Seen nicht so, sie können auch tiefer oder höher schwimmen", sagt Böhm, dessen Ururgroßvater auch Fischer war. Wichtig sei beim Fischen von Karpfen auch, dass die Netze nicht den Grund des Sees berühren. Damit könne man verhindern, dass viel Sand mitgenommen wird. "Außerdem sollte man den Fisch nicht im Sommer essen, wenn Karpfen nun einmal viel fressen und Sand aufnehmen." Bei Fischer Böhm werden sie gefangen. In Netzkäfigen bleiben sie, bis zum Verkauf. Bis Oktober werden die Fische gefüttert, danach fressen sie wegen der Temperaturen nicht mehr, und die optimale Zeit zum Karpfenessen ist angebrochen. "Bis Ostern verkaufen wir Karpfen, Zander und Hechte, danach gibt es vor allem Schleie."
In den vergangenen Jahren bemerkt Böhm keinen Rückgang in der Beliebtheit von Karpfen zu Silvester. "Die Nachfrage ist konstant, genau wie unsere Preise." Bei Böhm seien die Tiere auch weder kleiner noch leichter als im Vorjahr. "Allerdings sind es vor allem die älteren Leute, die viel frischen Fisch kaufen", sagt Ehefrau Martina Böhm. Die jüngere Tochter, Friederike ist elf Jahre alt und mag vor allem einen Fisch: "Forelle esse ich am liebsten, aber morgen esse ich Hecht mit."
Für die kalten Zeiten, in denen er sein Angebot auf den Marktplätzen in Bad Freienwalde, Schwanebeck und Eberswalde verkauft, hat der Fischer kein Geheimrezept: "Die ersten kalten Tage, friere ich auch, aber dann gewöhne ich mich daran." Wer jetzt noch Lust auf einen Fisch zum Ausklang des alten Jahres bekommen hat, Fischer Böhm steht am Silvestertag noch bis 12 Uhr auf dem Marktplatz in Bad Freienwalde.