Die Einwendungen gegen die geplante Broilermastanlage mit insgesamt 84 000 Tierplätzen in Altwriezen sind am Dienstag im Rathaus erörtert worden. Dazu kamen Anwohner, Behörden und Landwirt Christian Leupelt zusammen. Um die Baupläne gibt es seit Monaten Diskussionen.
Bis auf den letzten Platz füllt sich gestern Vormittag der Rathaussaal. Die Stühle sind mit Zetteln belegt: Einwender, Behörden, Antragstellerin, Öffentlichkeit. Es geht um den geplanten Bau der Broilermastanlage auf der Gemarkung von Altwriezen. Dies sorgt schon seit Monaten für heftige Diskussionen.
„Der Erörterungstermin ist Bestandteil der Sachverhaltsermittlung der Behörde“, erklärt Kerstin Tschiedel den Grund des Zusammentreffens. Die Referatsleiterin der Genehmigungsverfahrensstelle Ost des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, agiert als Verhandlungsführerin. Der Sinn eines Erörterungstermins bestehe jedoch nicht darin, abschließende Entscheidungen zu treffen. „Es muss auch keine Einigung über kontroverse Auffassungen erzielt werden“, betont die Moderatorin.
Die Beteiligten müssen sich mit 77 Einwendungen auseinandersetzen. „Darüber hinaus gab es 13 weitere Einwendungen, die nicht in der vorgegebenen Frist eingereicht wurden und somit unbeachtlich sind“, sagt Bertram Kahlisch, Mitarbeiter der Genehmigungsverfahrensstelle Ost. Bei der Vorbereitung der Marathonsitzung wurden die Einwendungen zu neun thematischen Blöcken zusammengefasst, die nacheinander abgearbeitet werden.
Axel Klahn, stellvertretender Leiter des Ingenieurbüros Wilfried Eckhof aus Ahrensfelde, erläutert das Vorhaben des Landwirtes Christian Leupelt. „Geplant sind zwei Ställe mit den Ausmaßen 90 mal 20 Meter, und einem Verbinderbau. Hinzu kommen vier Futtermischsilos und ein Kadaverplatz. Die Anlage wird vom Investor verkehrstechnisch erschlossen“, sagte der Leiter Fachbereich Tierhaltung.
Peter Rossa aus Altmädewitz appelliert anschließend an den Antragsteller. „Wir wissen, dass der Verhandlungsversuch wenig Erfolg haben wird, aber überdenken Sie Ihren Antrag.“ Kerstin Tschiedel verweist darauf, dass sich niemand moralisch äußern müsse, wenn er das nicht möchte. Christian Leupelt schüttelt verneinend mit dem Kopf.
Die Erörterung beginnt mit dem Thema Genehmigungsverfahren. Während die Einwender auf ein Raumordnungsverfahren und damit eine Betrachtung in Gesamtheit pochen, verweisen Helmar Hentschke, Rechtsanwalt von Christian Leupelt, und Bertram Kahlisch auf die bestehenden Gesetzlichkeiten.
„Die Häufung von Massentierhaltung ist doch auffällig“, sagt Regine Kühmstedt aus Alt­wriezen. Sie zählt 60 000 Enten, 6000 Schweine, 1700 Rinder rund um den Wriezener Ortsteil auf. „Jetzt sollen noch 150 000 Hähnchen in Neumädewitz und 84 000 in Altwriezen dazukommen.“ Regine Kühmstedt fühlt sich von der Stadt Wriezen im Stich gelassen. „Uns wird einfach die nächste Anlage vor die Nase gesetzt“, so die Altwriezenerin.
Rechtsanwalt Hentschke verweist darauf, dass die Stadt steuernd eingreifen könnte, aber für die Anlage seines Mandanten gebe es eine Zustimmung. Axel Persiel fordert mehr von der Oderbruchstadt. „Die Gemeinde unterschätzt ihre Mittel“, betont der Altwriezener.
Die Bewohner aus Mädewitz, Altwriezen, Altwustrow und Altreetz verweisen auch auf die Hochwassergefahr in diesem Gebiet. „Das Oderbruch ist kein ausgewiesenes Hochwassergebiet. Die Risikogebiete sollen bis Ende 2013 ausgewiesen werden“, sagt Gabriele Menzel, Mitarbeiterin der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Märkisch-Oderland. „Dann warten wir halt so lange“, rutscht es Peter Rossa heraus. Er spricht von der „Verantwortungslosigkeit der Politik“.
Auch die angedachte Zufahrt, der Lärm und vieles mehr sorgen für Diskussionen. Während die Einwender ihre Sorgen vortragen, versuchen die Vertreter der Behörde und der Antragstellerin die Fragen zu beantworten. Die Marathonsitzung endete erst am Nachmittag.