Die Menschen miteinander versöhnen, Gräben schließen und die Diskussion über den Kurstadtstatus auf eine sachliche Ebene zurückholen, das war das Ziel von Pfarrer Björn Ferch. Eine Diskussion über die Brücke klammerte er von vorn herein aus. "Das Für und Wider ist bekannt, alle Argumente wurden ausgetauscht", stellte Ferch gleich zu Beginn der Veranstaltung klar.
Auf dem Podium hatten Dr. Gudrun Zander, langjährige Chefärztin der Fachklinik und Ehrenbürgerin der Stadt, Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos), Jörg Rieger, erster Verwaltungschef der Klinik aus Bad Pyrmont, Frank Schmidt, Verwaltungsdirektor der Klinik, sowie Gerald Stechbarth, Geschäftsführer der Renta AG, Platz genommen. Landrat Gernot Schmidt (SPD) hatte sich wegen einer Krisensitzung zur Flüchtlingsproblematik entschuldigt.
"Die Ereignisse der vergangenen Wochen finde ich sehr positiv", lobte Gerald Stechbarth. Die Bürger waren aufgebracht, schilderten ihre Nöte und Ängste und artikulierten sich. Dies erachte er als äußerst positive Entwicklung.
Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen ging es in der Kirche eher ruhig zu, wobei dennoch nicht an Kritik gespart wurde. "Unter Kur stellt man sich alte Menschen vor, die ins Moor steigen", richtete Björn Ferch das Wort an Gudrun Zander und fügte hinzu, dass es sich um ein Klischee handele. Sie habe vorwiegend Patienten behandelt, die bezahlt von ihrer Kranken- oder ihrer Rentenversicherung , zur Rehabilitation nach Bad Freienwalde kamen. Nur so sei es gelungen, das Haus voll auszulasten. Heute verstehe man unter Kur Entspannung, Entschleunigung und Bewegung. Die zu entwickeln sei eine Fleißaufgabe, aber man könne es hinbekommen, fügte sie hinzu.
Die Wirkungsweise des Moores, so Gudrun Zander, werde nirgends in Bad Freienwalde erklärt, weder auf Werbebroschüren noch auf Bad Freienwaldes Internetseite. "Wir haben in der Klinik Handzettel ausgegeben", so Gudrun Zander. Jörg Rieger, Gründer der Fachklinik, appellierte an den Bürgermeister, einen Arbeitskreis mit kompetenten Fachleuten zu bilden, der ihm beratend zur Seite stehe. Bürgermeister Lehmann wies auf die Fachausschüsse der Stadtverordnetenversammlung hin, wo solche Fragen diskutiert werden. Er habe dort eine kompetente Mannschaft an seiner Seite.
"Mich macht es traurig, dass vieles in Bad Freienwalde so ist wie damals, die großen wesentlichen Schritte wurden nicht getan", erklärte Rieger. Die Stadt habe nur wenige Standorte für ein Hotel. Beinahe sei es ihm gelungen, eine zweite Klinik in die Stadt zu holen. Eine der Filetstücke sei der Platz, wo sich das Jahn-Stadion befindet. Dieses habe der Bürgermeister nicht freigeben wollen. Das Hotel Eduardshof sei am falschen Platz geplant. "Wer fährt nach Bad Freienwalde und will auf einen Supermarkt blicken?" Hartmut Meyer, ehemaliger Bauminister, der im Publikum saß, vermisst in Bad Freienwalde das Kreative. Die Stadt erfülle die Wünsche des Gesundheitsministeriums, mehr aber auch nicht.
Bürgermeister Lehmann sprach über seine Visionen vom Bahnhof, den die Stadt mit Partnern entwickeln möchte. Der Notarvertrag zum Erwerb des Grundstücks stehe.