Hunderte Gäste fluteten am Mittwochabend die kleine Deichsiedlung Zollbrücke. Der Parkplatz beim Theater am Rand war völlig überfüllt, die Dorfstraße außerdem zugeparkt. So groß war das öffentliche Interesse an der Eröffnung zweier komplett sanierter Gebäude der Dammmeisterei – dem Dammbohlenhaus und der Deichstube. Der Unternehmer Johannes Lübbering und seine Ehefrau Professorin Hannelore Scholz-Lübbering hatten fast stundenlang Hände zu schütteln. Viele Gäste wurden mit herzlichen Umarmungen begrüßt. Viele hatten Blumen und Grünpflanzen, aber auch Kunstobjekte als Geschenke mitgebracht.
Die in Neulewin ansässige Lübbering-Stiftung hatte das Grundstück 2004 erworben und seitdem mit den zuständigen Behörden um Kompromisse gerungen. Architekt Alexander Scholz hat viel Herzblut in das Ensemble gesteckt. Herausgekommen ist „eine gelungene Balance zwischen neuer Funktion und alter Substanz“, wie es Stifter Johannes Lübbering in seiner Begrüßungsrede ausdrückte.
Das Engagement der Lübbering-Stiftung neben der Zollbrücker Deichscharte entspricht den Stiftungszwecken Denkmalschutz und Förderung des regionalen Tourismus. Das Ensemble war nach mehreren Eigentümerwechseln in stark baufälligem Zustand. Das Amt Barnim-Oderbruch, zu dem Zollbrücke bzw. Zäckericker Loose als Teil der Gemeinde Oderaue gehört, hatte seinerzeit den Kauf des Grundstücks abgelehnt. Dass es dann in die Hände der Lübbering-Stiftung geriet, wurde am Abend mehrfach als großer Glücksfall für die Dammmeisterei gewertet. Und als großen Glücksfall bezeichnete Amtsdirektor Karsten Birkholz die Tatsache, dass das Ehepaar Scholz-Lübbering ins Oderbruch gekommen sei. Landrat Gernot Schmidt (SPD) dankte ihnen ebenfalls dafür und drückte seine Hoffnung aus, dass sie mit dem nächsten Projekt die Region auch nach außen besser präsentieren können. Er beließ es dann aber doch bei Andeutungen.
Die Verwendung der neu-alten Gebäude stellte die Geschäftsführerin der Einrichtung Birgit Stötzer vor. So lädt die Deichstube künftig als intimes Café zum gemütlichen Aufenthalt ein. Gediegene dunkle Möbel, ein weinrotes Plüschsofa und käufliche Glaskunst von Norbert Horenk sowie farbige Kollagen prägen das Ambiente. Im Dammbohlenhaus wurde am Abend eine Ausstellung von Christa Sammler eröffnet. Ihre Bronze-Reliefs, Miniaturen und größeren plastischen und grafischen Arbeiten haben in der mit Mauersteinen ausgefachten Holzständerkonstruktion einen passenden Rahmen gefunden.
Architekt Alexander Scholz erweiterte die Nutzfläche des Häuschens durch einen zweite umlaufende Ebene. Die Wand, an der die Treppe aufwärts führt, ist aus Glas, sodass sich der Blick aus dem Dammbohlenhaus auf bzw. über den Deich weitet. Das Haus soll nicht auch für Seminare, kleine Konzerte oder auch den Sonntagsbrunch genutzt werden.
Auch die Umgebung ist fast fertig: der Garten mit Streuobstwiese, geschickt in die Böschung integrierte Carports am Zugang. „Die Bepflanzung ist noch nicht endgültig, wir waren des hohen Grundwasserstands wegen in Verzug geraten“, bittet Johannes Lübbering um Verständnis. Nun solle im Herbst „denkmalgerecht“ bepflanzt werden. Der Stifter brachte seinen Stolz auf die Mitarbeiter der Scholz-Lübbering GbR zum Ausdruck, der kleinen Neulewiner Baufirma, die die Arbeiten erledigte. Neulewins Bürgermeister Horst Wilke merkte an, dass die Stiftung 14 Menschen Arbeit gebe. Die Eröffnungsfeier, zu der es gut sortierte und gut gekühlte Getränke, Kaffee, Kuchen und am Abend ein opulentes Büfett gab, wurde musikalisch von der „Randcombo“, bestehend aus Tobias Morgenstern, Wolfgang Musick, Sebastian Blaschke und Christian Georgi, umrahmt. Birgit Stötzer betonte, dass sich die Einrichtung in die anderen Angebote Zollbrückes, dem Theater am Rand, dem Zollbrücker Gasthaus und dem Ziegenhof Rubin einordne. Das Motto: Essen, Trinken, Garten, Kunst, Genießen. „Vielleicht auch bald Bleiben, denn wir planen noch Fremdenzimmer.“