Aus der Märkischen Oderzeitung hätten sie von der Errichtung einer Broilermastanlage erfahren. „Vorher erfolgte keine Information oder auch nur Diskussion über diese Anlage und die Auswirkungen auf die Einwohner“, sagt Regine Kühmstedt. Die Altwriezenerin bemängelt die Massentierhaltung rund um den Wriezener Doppelortsteil.
„In der Milchviehanlage Beauregard befinden sich etwa 1750 Tiere, in der Schweineanlage Altwriezen rund 5500, in den Entenanlagen Odervorland circa 60 000“, zählt sie zusammen. Jetzt sollen zwei Broilermastanlagen in direkter Nachbarschaft hinzukommen: Neumädewitz mit 150 000 und Altwriezen mit 84 000 Plätzen.
Auf fünf Seiten hat Regine Kühmstedt gemeinsam mit ihrem Mann Hartmut ihre Einwände gegen den Bau der Broilermastanlage aufgeschrieben und an das zuständige Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz geschickt.
„Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist laut Gesetz bei einer Anlage ab 85 000 Plätzen gefordert. Es fällt schon sehr ins Auge, dass hier eine Anlage mit 84 000 Plätzen geplant ist“, schreibt das Ehepaar Kühmstedt. Sie verweisen auf die nur 500 Meter entfernte, nächste Hähnchenmastanlage für 150 000 Tiere. „Die liegt noch näher an Altwriezen. Muss man nicht beide Anlagen gemeinsam betrachten?“
Die Hochwassergefahr sei mit Blick auf Tierevakuierungen vollständig übergangen worden. Das Oderbruch sei ein hochsensibles künstlich geschaffenes Ökosystem, das der Überwachung bedarf. In Altwriezen befinde sich ein Schlafdeich, der 1997 mit Sandsäcken geschlossen wurde. „Wir befinden uns genau im Einzugsgebiet des Hochwassers. Dieser Teil des Oderbruchs würde wie eine Badewanne volllaufen“, zeigt Regine Kühmstedt auf.
Viel größere Sorgen machen sich die beiden um die Keimbelastung. Die Altwriezenerin bemängelt die „schwammigen, unkonkreten und auch unrichtigen Aussagen“ im Bauantrag. Die Anlage sei ohne Filter und richtiges Keimgutachten genehmigt worden. Dazu sei eine Quelle von 1969 angegeben worden. „Leider gibt es 2011 durchaus neue Keime, die insbesondere in Hähnchenmastanlagen und im Hühnerkot in extremer Konzentration vorliegen.“ Biogasanlagen würden MRSA- und EHEC-Keime sowie Staphylokokken liefern. „Wir sind umzingelt von solchen Keimschleudern. Niemand schützt uns vor der Kloake im Oderbruch“, betont Regine Kühmstedt.
Das Ehepaar versteht nicht, warum sich keiner der Abgeordneten die kompletten Bauunterlagen angesehen haben. „Ihnen lag lediglich eine glattgebügelte Kurzvariante vor.“
Die Gegner der geplanten Broilermastanlage treffen sich an diesem Sonntag ab 18.30 Uhr im Bürgerhaus Altwriezen.