Filigran-verspieltes Querflötenspiel lässt die Besucher des Kurparks und die Kurgäste auf den Bänken an der Fachklinik aufhorchen: An der Kurfürstenquelle hat sich eine Gruppe versammelt, die zwei jungen Mädchen beim Flötenspiel lauscht. Manja Putscher und Katharina Kalb aus Strausberg spielen Flötenmusik aus der Zeit Friedrichs des Großen und verzaubern das verwunschene Brunnental in seiner herrlichen Herbstfärbung. Vorbildliche Kurgäste walken mit ihren Stöcken vorbei in Richtung Umkehrstein und bekommen Redefragmente mit, in denen von einem Lustschloss von Friedrich I. die Rede ist, das schräg gegenüber stand und in der Nacht seiner Einweihung von einem Gewittersturm verwüstet wurde. "Die Adligen sollen im Nachthemd ins Freie geflüchtet sein", sagt Waltraud Klatte, schränkt aber ein, dass dies nur ungesicherte Quellen berichten. Es gebe ja viele Sagen rund ums Freienwalder Brunnental. Dass aber der Preußenkönig Friedrich II. im Mai 1771 in Freienwalde zu Mittag speiste, das ist für sie unumstößlich: "Ich halte mich an den renommierten Heimathistoriker Rudolf Schmidt, der das belegt."
Waltraud Klatte ist seit einem Jahr Stadtführerin. Sie nahm 2011 an der ersten Ausbildung neuer Stadtführer bei der Bad Freienwalde Tourismus GmbH teil und spezialisierte sich auf die Hohenzollern und Bad Freienwalde. Seit Mai hat sie jeden Monat eine Führung zu diesem Thema gestaltet. Mit Musik aus der Zeit Friedrichs II. ist die letzte am Sonnabend allerdings die erste - Dank der Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkern", die die Aktion Schaustelle Stadtkern fördert.
Christine Koppatsch aus Berlin schreibt bei den Ausführungen mit. "Ich halte vieles fest, was sonst in Vergessenheit gerät, Geschichte interessiert mich besonders", sagt sie. Und Jürgen Körtke, der aus Magdeburg zu Verwandtenbesuch in die Kurstadt gekommen ist, sagt: "Ich kenne Bad Freienwalde überhaupt nicht, jetzt erscheint mir seine Geschichte hoch interessant." Die Gruppe schlendert weiter durch den Kurpark. Waltraut Klatte eine Zeitungskopie hoch: "Hier sehen Sie die Stelle einst und jetzt." Die MOZ-Serie zeigt abgerissene Kurbauten.