Doch auch sie habe die besondere Situation der Familie erst erfasst, seit sie unter einem Dach leben. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Innewohnprojekt des in Berlin ansässigen Trägers KJHS. Den Erzieher-Abschluss hat Jeanette Hennemeyer erst 2009 gemacht. "Zu DDR-Zeiten war das schwierig, auch mit einem Internatsplatz", blickt sie zurück. Gelernt habe sie dann Köchin. "Aus Zufall und Leidenschaft. Meine Oma hat wunderbar gekocht, von ihr habe ich mir vieles abgeschaut."
Erzieherin auf Umwegen
Gearbeitet habe sie dann allerdings in Kinder- und Jugendeinrichtungen. Mehr im hauswirtschaftlichen Bereich, aber der pädagogische Teil habe mitunter mit abgedeckt werden müssen. Eigene Kinder hat sie auch – vier im Alter von 14 bis 29 Jahre. Die Jüngste lebe mit ihr und den Pflegekindern zusammen, die aus schwierigen Verhältnissen kommen und einen Vormund haben. "Meine Tochter kümmert sich in ihrer Freizeit rührend um die beiden, weiß bereits, dass sie Erzieherin werden will, fährt beim CJVM auch ins Betreuercamp."
Für Aufregung sorge jetzt zu Schuljahresbeginn der Wechsel im Schülerverkehr. "Die Kleine ist sehr verhaltensauffällig, gewalttätig gegen sich selbst, schnallt andere schon mal ab und wirft Gegenstände durch die Gegend." Mit Fremden habe sie große Probleme. Da mache auch kein eventuell möglicher Einzelfallhelfer Sinn. "An den müsste sie sich ja erst gewöhnen und das kann dauern." Jeanette Hennemeyer ärgert, dass ihr häufig erklärt werde, dass man sie ja verstehe, aber nichts tun könne. Wegen der Erkrankungen der Kinder müsse sie häufiger ins Sozialpädiatrische Zentrum nach Berlin. Auch das koste Zeit und Kraft. Die "Große" habe Angst, überspiele dies aber häufig. "Nachts ruft sie dann nach mir, nässt immer wieder ein."
Doch um vieles müsse sie kämpfen, ob Reha-Buggy, Wickelkommode für Behinderte, Pflegebett oder ein geeignetes Fahrrad. Das zuletzt bewilligte sei nicht stabil genug und nun beginne die ganze Lauferei wieder von vorn. "Dazu bekomme ich zu hören, dass wir ja gerade erst ein Fahrrad bekommen hätten. Aber da entscheiden Leute an den Bedürfnissen vorbei. Wir benötigen eins mit Beinfixierung und Rückenlehne." Fast traue sie sich schon nicht mehr, etwas zu beantragen. Und dann werde auch noch der Pflegegrad von vier auf drei abgestuft. Außenstehende würden die Arbeit, die hinter der Betreuung zweier solch besonderer Kinder nicht sehen. Dabei laufe die Waschmaschine manchmal noch nachts um drei. "Und wenn wir unterwegs sind, greifen mich andere Eltern noch an, wie ich mit den Kindern umgehe." Die Behinderung sei ihnen nicht gleich anzusehen.