So viel Betriebsamkeit wie am Sonnabendvormittag herrscht in dem Gebäude an der Karl-Marx-Straße 19 nur noch selten. Das 1957 als Post- und Telegrafenamt errichtete Haus steht seit Langem weitestgehend leer.
Mit neuen Ideen will die Stadt dem Haus wieder Leben einhauchen. Welche das sind und welche Geschichte das Gebäude zu erzählen hat, darüber informieren seit Sonnabend zum einen drei mehr als zwei Meter hohe Stelen vor dem Postgebäude.
Bad Freienwalde beteiligt sich als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischem Stadtkern an der Kulturland-Brandenburg-Kampagne unter dem Motto „Die Post als gebaute Kommunikation – Vergangenheit, Heute, Zukunft“. Und zum anderen bieten sieben Mitglieder der „Grenzland-Fotografen“ für zwei Wochen die Gelegenheit, noch einmal in die Vergangenheit einzutauchen. Mit der Ausstellung: „post:skriptum“ im Obergeschoss.
Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU) warb vor der Eröffnung um Akzeptanz für die neuen Ideen. Im Erdgeschoss soll die Stadt- und Kreisbibliothek einziehen, in die Obergeschosse die Stephanus-Stiftung unter anderem mit der Tages- und der Verhinderungspflege. „Wir wissen, dass die bisherigen Gestaltungsentwürfe durchaus kritisch betrachtet werden“, sagte Ralf Lehmann. Er spielte damit auf den futuristischen Anbau aus Cortenstahl an. In den soll das Stadtarchiv und das Archiv des Heimatkreises Königsberg/Neumark einziehen.
In Jan Oehler von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH& Co. KG (DSK), die das Projekt betreut, hatte der Bürgermeister einen Verfechter des Konzepts an seiner Seite. „Seien Sie mutig, beschließen Sie die Umsetzung des Konzeptes“, appellierte er vor allem an die Stadtverordneten. „Ich glaube, es wird ein Alleinstellungsmerkmal für diese Stadt, was im Land Brandenburg Furore machen wird“, so Jan Oehler. Er hoffe, dass das Projekt im Wahlkampf nicht zum Streitpunkt und in der Luft zerrissen wird.
Mehr mit der Vergangenheit als mit der Zukunft des Hauses haben sich die sieben Fotografen Michael Anker, Torsten Zentner, Petra Leibner, Stefan Hessheimer, Malte P. Codenys, Christina Bohin und Jörg Hannemann befasst. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht das Zurückgebliebene – etwa ein von der Leitung abgeschnittenes Telefon, Gardinen, die nur noch lieblos vor den Fenstern hängen, eine vergessene Schreibmaschine, Rudimente einer Schaltanlage. Die leeren Räume mit dem abgetretenen Linoleumfußboden bieten den szenische Rahmen.
Zum Beispiel für die von Michael Anker thematisierte Körper-Kommunikation oder die von Christina Bohin geschaffene Collage „First“. „Die Grenzland-Fotografen haben mit der Ausstellung ein Zeitdokument geschaffen, welches durch die in den nächsten Jahren vorgesehene Sanierung und Umnutzung des Gebäudes so nicht mehr erlebbar sein wird“, unterstrich Michael Anker zur Eröffnung das Besondere der Ausstellung.
Und die traf überwiegend auf Zustimmung. „Toll“, meinte Monika Blache. Die Berlinerin habe früher bei der Post gearbeitet, erzählte die 67-Jährige. Daher interessiere sie sich für die Ausstellung. Und auch dafür, wie die Fotografen das Thema umgesetzt haben. Als Kollegin sozusagen. Das Fotografieren ist seit Jahren ihr Hobby. Mit Interesse schaute sich auch Irmtraut Leist um. „Die Ausstellung ist gut gemacht“, fand die Kurstädterin und entdeckte Dinge, an die sie sich noch gut erinnern konnte. „Solche Gardinen hatten wir auch“, lacht sie mit Blick auf die ausgeblichenen Schals, die schon lange keine Zierde mehr sind, zur Ausstellung aber passen.
Ausstellung „post:skriptum“, bis 29. Oktober, täglich 13 – 16 Uhr, im Obergeschoss der Post. Betreuung: Bianca Sternekieker vom VFBQ.