Alle Unterlagen sind eingereicht. Jetzt hofft die Stadt, dass der Antrag zum Umbau des Bahnhofsgebäudes genehmigt wird. Über den Planungsstand informierte Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU) im Kurstadt-Dialog.
Züge halten und fahren. Menschen steigen ein und aus. Am Gleis 1 herrscht reges Treiben. Nur im Bahnhofsgebäude ist es still. Und das seit Jahren. Lediglich Quartiersmanagerin Irmgard Roth hält dort zweimal in der Woche ihre Sprechstunden ab. Nun könnte bald wieder Leben einziehen. Vorausgesetzt, die Baugenehmigung kommt. „Wir haben die letzten Unterlagen am 9. März mit einem Monat Verzögerung abgegeben. Parallel dazu schreiben wir die Planungsleistung aus“, sagte  Ralf Lehmann während des von Dennis Ferch moderierten Kurstadt-Dialogs in der vergangenen Woche. Dieser fand im Bahnhof statt. Nachgereicht werden musste das Brandschutzkonzept für das Gebäude, das zum Kommunikationstreffpunkt umgebaut werden soll. Dafür fließen Mittel aus dem Programm „Soziale Stadt“. Im ersten Abschnitt wird der Bereich der früheren „Museumskneipe“ als Selbsthilfekontaktstelle des Vereins zur Förderung von Beschäftigung und Qualifizierung (VFBQ) gestaltet. Außerdem zieht dort das Eltern-Kind-Zentrum der Stiftung SPI ein. Geplant ist zudem ein Café.
Es gebe mehr als 30 Selbsthilfegruppen, die nicht mehr unterzubringen seien, sagte Irmgard Roth in ihrer Funktion als Geschäftsführerin des VFBQ. Deshalb habe sich der Verein um einen neuen Standort bemüht. Bisher ist die Selbsthilfekontaktstelle in der Ringstraße 1 untergebracht. Ebenfalls aus Platzgründen hat sich die Stiftung SPI für einen Standortwechsel entschieden. Zurzeit ist das Eltern-Kind-Zentrum in der Königstraße 29 anzutreffen.
Nach den Vorstellungen der Quartiersmanagerin könnte das Café auch ein Anlaufpunkt für jene Jugendlichen sein, die sich in Abständen immer wieder am Bahnhof treffen. Aus Gesprächen und Umfragen wisse sie, dass den Jugendlichen Angebote im Wohnquartier fehlen, sagte Irmgard Roth. Petra Leibner bezweifelte allerdings, dass diese Jugendlichen in ein Café gehen würden, wo sie andere Preise bezahlen müssten, als im Discounter gegenüber. Der Betreiber müsse das Café ja wirtschaftlich betreiben.
Lutz Scholz griff den Gedanken auf und schlug stattdessen eine „Teestube“ vor, in der sich Kinder und Jugendliche aufhalten könnten, unter Aufsicht. Aber genau das würden sie nicht wollen, knüpfte Maren Köpke von der Stiftung SPI, die „Offi“ betreibt, an. Jugendliche würden explizit Orte aussuchen, wo sie nicht unter Kontrolle seien. „Sie wollen auch Plätze haben, wo sie nur sie selber sein können“, so Maren Köpke. Dem schloss sich Daniel Werner aus Schiffmühle an. Ihm wollte es sich nicht erschließen, welches Klientel mit dem Café angesprochen werden soll. Gäste, die am Bahnhof ankommen, würden ins Brunnental fahren und die dortigen Cafés besuchen. „Und was ist der Plan B, wenn es nicht gelingt?“, wollte er wissen.
Einen solchen gebe es nicht, so der Bürgermeister. Bisher sei das Café nicht ausgeschrieben. Es habe zwei Interessentinnen gegeben, eine davon sei abgesprungen, weil noch nicht sicher ist, wann das Café bautechnisch fertiggestellt ist. Ob die zweite Interessentin dann noch dazu steht, wenn die Stadt soweit ist, und ob sich auf eine Ausschreibung hin noch Interessenten finden, sei dahin gestellt. „Wir wollen es trotzdem angehen.“
Weitere Nutzungsideen wurden an diesem Abend geboren. Die reichen von Reparaturwerkstatt über Auskunftsstelle für Reisende bis hin zum Therapiezentrum.