Das Thema Oderausbau beschäftigt auch das Amt Barnim-Oderbruch. Nachdem es, wie berichtet, lange Zeit still um die Bestrebungen der polnischen Seite, mithilfe eines Weltbankkredites die Oder zu vertiefen, geworden war, ist das Thema nun wieder auf der Agenda. Noch vor kurzem befragte die MOZ den Amtsdirektor des Amtes Barnim-Oderbruch nach seinem Kenntnisstand. Der bezog sich auf Gespräche im Juni 2016 in Stettin. Seither sei das Thema nie wieder angesprochen worden. Bis jetzt. Seit dem 1. Juli liegen in Polen die Pläne aus. Und seit Ende Juli hat nun auch das Amt Barnim-Oderbruch Kenntnis von dem Verfahren. Zu der Zeit waren jedoch sowohl der Amtsdirektor als auch der Bau- und Ordnungsamtsleiter im Urlaub.
Größenordnungen unklar
Nun befragt, sagt Karsten Birkholz, er wisse nicht, in welchen Größenordnungen dort eingegriffen werden soll. Er geht jedoch von einem Milliardenprojekt aus, von dem auch noch nicht klar sein, in welchem Rahmen in den Verlauf der Oder eingegriffen werden soll. Und in welchem Zeitraum.
Sicher ist für Karsten Birkholz jedoch, dass der Ausbau der Oder ein enormer Wirtschaftsfaktor für die Metropolen entlang der Oder sein kann. "Uns als Amt fehlt schlichtweg der Hafen." Allerdings sieht er noch einen wesentlichen Aspekt: die Gefahrenabwehr. "Aus diesem Grund macht es durchaus Sinn, tätig zu werden." Allerdings sei der Aufwand – planerisch und bautechnisch – enorm. "An Buhnen im Bereich Reitwein benötigte man für eine ganz geringe Anzahl an Buhnenreparaturen einen erheblichen zeitlichen Vorlauf. Das führt mich zu der Annahme, dass größere Planungen mit erheblichem Planungsaufwand verbunden sind", so Birkholz. Allein für dieses Verfahren – die Instandsetzung eines Oderabschnitts auf nur einer Seite und mit weniger als ein Kilometer Länge – brauchte man rund zehn Jahre, so der Verwaltungschef aus Wriezen. "Die von der polnischen Seite geplante Maßnahme wird vermutlich einen erheblich längeren Umsetzungszeitraum in Anspruch nehmen."
Pläne zunächst ohne Einfluss
Doch was bedeuten die Pläne für die geplante touristische Belebung des technischen Denkmals über die Oder – die Brücke zwischen Neurüdnitz und Siekierki? Zunächst einmal nichts, sagt Karsten Birkholz. Der Belag werde den Plänen gemäß, zu denen jüngst im Theater am Rand eine Konferenz stattfand, aufgebracht. Zum Projektauftakt hatten die Partner auf deutscher und polnischer Seite – das Amt Barnim-Oderbruch und die Landschaftsparkverwaltung (Zespol Parkow Krajobrazowych Wojewodztwa Zachodniopomorskiego) – Mitte Juni nach Zollbrücke geladen.
Einen Tag lang wurde dort über die Europabrücke zwischen Neurüdnitz und Siekierki diskutiert. Mit dabei der Minister für Justiz, Europa und Verbraucherschutz, Stefan Ludwig (Linke), der Vizemarschall aus Szczecin (Stettin) Jaroslaw Rzepa sowie die Vertreter der Gemeinden Cedynia und Mieskowice, der Polnischen Bahn, der Schifffahrtsdirektion, der Architekturbüros und des Landkreises.
Eine Höherlegung der Brücke sei dabei nicht geplant, ergänzte Karsten Birkholz nun. "Ich wüsste auch gar nicht, wie das gehen sollte." Auch müsste das finanziell geklärt sein. Stand jetzt erfolgen aktuell die Ausschreibungen für die Korrosionsschutz- und Belagarbeiten sowie die Mauerwerks- und Stahlarbeiten, um die Brücke touristisch für Fahrradfahrer und Fußgänger nutzen zu können. Nicht mehr und nicht weniger.