Auf den ersten Blick sehen sie aus wie riesige Smartphones. Doch zum Telefonieren sind sie wohl eher weniger geeignet - die zwei Info-Stelen, die seit kurzem in der Tourist-Information stehen. Mannshoch sind sie, mit einem 55 Zoll-Display. Heute und morgen werden sie in der Königstraße stehen. Mitten im Altstadtfestgetümmel.
Nicht etwa um schöne Bilder von Bad Freienwalde zu präsentieren, sondern um von Bürgern genutzt zu werden. Zur Abstimmung über das Bürgerbudget. Denn erstmals können Bürger der Kernstadt und der Ortsteile, es sind rund 10 000 Wahlberechtigte, über die Verwendung von finanziellen Mitteln bestimmen. Es geht um jeweils 25 000 Euro für 2017 und 2018. Dafür konnten bis zum 30. Juni Vorschläge eingereicht werden. 57 Projektideen zählte am Ende die Liste. Davon entsprachen 35 Vorschläge den Kriterien der 2016 von den Stadtverordneten beschlossenen Satzung. Die Vorschläge werden auf dem Display der Stelen zu lesen sein. Jeder Bürger ab 14 Jahre (Ausweis mitbringen) kann fünf Stimmen abgeben, entweder alle fünf für ein Projekt oder verteilt auf mehrere Projekte.
Dass das System auch wirklich funktioniert, davon überzeugt sich Dennis Ferch vom "Kurstadt-Dialog" am Mittwochabend in der Tourist-Information. Der 30-Jährige koordiniert im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung das Bürgerbudget. In Tourismus-Chef Andreas Hensel hat er einen Mitstreiter gefunden, der sich vor allem mit seiner Affinität für Internet und Webseiten-Gestaltung in die Vorbereitung eingebracht hat. Hinter dem Programm stecke ein Shopping-System, erklärt Andreas Hensel beim Testlauf. Dennis Ferch habe quasi für alle 35 Vorschläge ein Produkt angelegt und diese auf einer Online-Plattform eingepflegt. Das eigentliche System könne Kaufumsätze auswerten. Das ist für den Zweck der Abstimmung von Vorteil. Dadurch könne man am Ende schnell sehen, wie viele Stimmen auf welche Vorschläge abgegeben worden sind, so Hensel.
Und dann will es Dennis Ferch wissen. Erst drückt er den Button "Abstimmung" und dann reihen sich alle 35 Vorschläge auf dem Display auf. Er entscheidet sich für ein Projekt und drückt rechts daneben einmal auf das grüne Feld. Und wie beim Online-Einkauf erscheint eine "1". Dann arbeitet er sich weiter durch die Projekte. Zum Test vergibt er sechs Stimmen. Darauf reagiert das System nach dem "Abstimmen" sofort und weist darauf hin, dass nur fünf Stimmen zu verteilen sind. Ferch korrigiert. Dann ist die Abstimmung angenommen und der Koordinator zufrieden.
Er ist sich mit Andreas Hensel einig: All jene, die über ein Smartphone verfügen, werden mit dieser modernen Art der Abstimmung kein Problem haben. Wer Hilfe benötigt, dem stehen Dennis Ferch und Petra Leibner zur Seite. Für Rollstuhlfahrer wird ein Laptop vorhanden sein. Und Sehbehinderten soll die Liste vorgelesen werden.
Zu finden sind die Stelen in der Königstraße gegenüber vom Drogeriemarkt - Freitag von 15 bis 18 Uhr und Sonnabend von 10 bis 18 Uhr. Der Standortwechsel vom Marktplatz in die Königstraße sei nötig, da das große Fahrgeschäft vor dem Rathaus aus sicherheitstechnischen Gründen vom Standort her verändert werden musste. Das Ergebnis soll am Sonnabend um 18.45 Uhr auf dem Marktplatz präsentiert werden.