Im nächsten Monat eröffnet das weltweit erste und einzige Chamisso-Museum in Kunersdorf. Bevor dann die Besucher in die Welt des Gelehrten und Weitgereisten Deutsch-Franzosen eintauchen, durfte das Oderland Echo nun schon einmal einen Blick in die Ausstellungsräume werfen.
"Ich bin nach Weisheit weit umhergefahren" –  dieses Zitat von Adelbert von Chamisso (1781–1838) empfängt den Besucher im neu gestalteten Entree des Kuners-dorfer Musenhofes. Dort findet am 13. April die feierliche Eröffnung des Chamisso Museums statt. Dort, wo der Dichter und Naturforscher einen Sommer lang auf Einladung des Schlossherren Peter von Itzenplitz verbrachte, und wo sein Leben als Literat und Botaniker seinen Anfang nahm, werden nun Leben und Werk gewürdigt.
Durch die "Zeitschleuse" gelangen die Besucher des Museums, das zwischen April und Oktober immer freitags (14 bis 18 Uhr) und am Wochenende (11 bis 18 Uhr) sowie auf Nachfrage geöffnet sein wird, in die Ausstellung. Und begegnen dort den von Itzenplitzs und Lestwitzs, sehen ausgewählte Exponate der Friedländischen Bibliothek und treffen auf Fundstücke. So die Sonnenuhr aus dem Schlosspark, eine Bodenfliese sowie Porzellanscherben. Entdeckt wurden sie im Wald, beim Straßenbau oder auf dem Dachboden. Und berichten nun von der bewegten Geschichte des Dorfes, in dem der berühmte Dichter die zur Weltliteratur gehörende Novelle "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" schrieb.
Die nächsten beiden Räume, die künftig jeden ersten Sonnabend im Monat Besucher zu Lesungen empfangen werden, präsentieren Chamisso als Literaten. Zu sehen sind darin seine Korrespondenzen mit E.T.A. Hoffmann oder Fouqué sowie Primär- und Sekundärausgaben rund um Chamissos Leben und Werk. "Wir präsentieren allein 104 unterschiedliche Schlemihl-Exemplare", freut sich Margot Prust. Die Hausherrin, die die Dependence des Schlosses im Jahr 2005 kaufte und darin den Findling-Verlag bis vor drei Jahren betrieb, ist glücklich, dass es der Förderverein in relativ kurzer Zeit geschafft hat, das Museum ohne Fördermittel auf die Beine zu stellen. Durch Crowdfunding und zwei Großspender aber auch viele kleinere sei es gelungen, die Investitionssumme von über 200 000 Euro aufzubringen. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Vereins, Stefan Rohlfs, hat sie ein 74-seitiges Drehbuch für die Ausstellung zusammengestellt, das die Grundlage für die Ausstellungsgestaltung der Berliner Firma "h neun" war. Seit Januar ist nun alles fertig und die beiden Gastgeber sind gespannt auf die Reaktionen der Besucher. Bei der Eröffnung werden unter anderem Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch und der Landrat Gernot Schmidt zugegen sein.
In der Chamisso-Erlebniswelt, die reduziert daherkommt und in der es dennoch Vieles zu entdecken gibt, warten neben Büchern und Relikten Landkarten, eine Hörstation, ein Film, zusammengeschnitten aus 110 kolorierten Lithografien, auf neugierige und interessierte Besucher. "Wir wollten ein Kleinod mit Anspruch schaffen, das in die Landschaft passt", so Margot Prust. Und: neben den bereits vorhandenen Museen im Oderbruch ist es auch das einzige Literaturmuseum.