Die Sonne lässt a Sonnabend den Dorfteich aufblitzen. Unter einem weißen Zeltdach klappern leise Kuchengabeln auf Kaffeegeschirr. Mehr Sommer geht kaum in Wollenberg. Das Sommerfest, das am Teich stattfindet, macht seinem Namen alle Ehre. Die Mitglieder vom Förderverein "Feldsteinkirche zu Wollenberg" haben eingeladen. Weil ihnen zwei Dinge gewissermaßen am Vereinsherzen liegen. Zum einen soll das Dorfgemeinschaftsgefühl am Leben erhalten bleiben, zum anderen die kleine Kirche im Ort.
Vor gut zwei Jahren taten sich einige Wollenberger zusammen und gründeten ihren Verein. Wie richtig sie damit lagen, kann man sogar ablesen, und zwar an der Zahl derer, die seit dem beigetreten sind: von etwa 100 Einwohnern ist es die Hälfte. Vom Lehrer, Angestellten bis zum Ingenieur bringen sich unterschiedlichste Berufsgruppen ein.
Inzwischen ist das dritte Sommerfest ins Land gezogen. Siegfried Zschärlich macht einen zufriedenen Eindruck. Ein sehr gutes Verhältnis verbinde die Dorfbewohner, sagt er. "Und mit unserem Vorhaben, die Feldsteinkirche zu sanieren, kommen wir auch voran." Eine Haftpflichtversicherung ist abgeschlossen. Anträge, die die Finanzierung voranbringen, gestellt. Als nächstes steht ein Termin mit dem Kirchenbauamt an, das ist nächste Woche geplant. Es geht dann um Abstimmungen zur Sanierung, erklärt Zschärlich. "Wir brauchen nur noch grünes Licht, dann kann es losgehen."
Im März, spätestens im April 2016 soll in Wollenberg der erste Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Der hölzerne Kirchturm muss als erstes gerettet werden. Er ist schief. Ein komplette Sanierung wird erforderlich. Die Last des Daches drückt außerdem aufs Mauerwerk, zum Teil so stark, dass ein Teil des Friedhofs aus Sicherheitsgründen schon gesperrt werden musste. Die Dachziegel könnten nicht halten.
Fördermittelgeber gibt es für die Feldsteinkirche einige in Wollenberg. Siegfried Zschärlich nennt sechs. Immerhin belaufen sich die Gesamtkosten auf ungefähr 320 000 Euro. Ersten Schätzungen zufolge. Gut möglich, dass noch mehr Geld benötigt wird. Die erste Baustufe wird den Verein um die 160 000 Euro kosten, sagt Zschärlich.
Schon 2008 hat der Wollenberger im Dorf Kritik geäußert, dass an der Kirche Handlungsbedarf besteht. "Sie wurde zwar aufgenommen", sagt Zschärlich. "Das Thema schlief aber wieder ein." Damals wäre man leichter an Fördermittel gekommen, ist er überzeugt. Nun ist der Vereinsvorsitzende froh, dass sich gerade wieder eine Lücke aufgetan hat und die Wollenberger doch noch mit Geld rechnen können, das sie bitternötig haben für die anstehende Sanierung.
Das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert, das unter Denkmalschutz steht, wurde zuletzt in den 1960-er Jahren saniert. Weil sich immer wieder wer gefunden hat, das Haus zu reparieren. Nun nehmen es die Wollenberger selbst in die Hand. Für gerademal 40 Euro im Jahr kann eine ganze Familie Gutes tun und dazu beitragen, dass die Kirche noch viele Jahre im Dorf bleibt.