Es ist bereits dunkel, als um 18 Uhr acht Schüler den Klassenraum im Bertolt-Brecht-Gymnasium in Bad Freienwalde betreten. Sie haben teilweise schon graue Strähnen im Haar und sind freiwillig da, im Polnisch-Sprachkurs der Volkshochschule. Die Dozentin Maria Rahnefeld erklärt, je nach Vorkenntnissen, mal mehr, mal weniger auf Deutsch. Sie hilft geduldig, wenn ein Wort falsch ausgesprochen wird, denn sie versteht die Probleme. „Als ich nach Deutschland gekommen bin, musste ich auch erst einmal die Sprache lernen“, sagt sie. Die Muttersprache bleibe ihr weiterhin wichtig. „Denn meine Muttersprache bedeutet meine Wurzeln. Ich kann Polnisch nicht verlernen.“ Aber alle Sprachen müssen wie einen Garten gepflegt werden, sonst würden sie verunkrauten.
Am 21. Februar ist der Internationale Tag der Muttersprache. Dieser Gedenktag wurde von der UNESCO eingeführt, um auf den Schutz von Minderheitensprachen hinzuweisen. Heute wird an diesem Tag auf die Bedeutung der Mehrsprachigkeit in einer zunehmend globalisierten Welt hingewiesen. Denn eine oder mehrere Sprachen oder Dialekte sind Teil eines jeden Menschen.
„Zwei Drittel der Menschheit wächst mehrsprachig auf“, erklärt Thomas Vogel, der Leiter des Sprachenzentrums der Europa-Universität Viadrina. In der Sprachwissenschaft werde nicht mehr von Muttersprache, sondern von der Erst- , Zweitsprache und so weiter gesprochen, erklärt Vogel. Wenn jemand mit mehr als einer Sprache aufwachse, könnten zwei gleichrangig sein.
„Wir haben allein in der EU etwa 300 verschiedene Sprachen mit denen der Migrante“, sagt Vogel. Damit sei die Mehrsprachigkeit Realität. Da sei die Berücksichtigung der verschiedenen Sprachen sehr wichtig. „Eine Sprache – wie das Englische zum Beispiel – soll nicht andere gefährden.“ Die eigene Sprache pflegen und andere verstehen lernen – daran erinnert dieser Gedenktag.
„Ich lerne Polnisch, weil ich meinen Horizont erweitern will. Wir sind hier so nahe an der Grenze und viele Polen lernen ja auch Deutsch“, sagt Hannes Garp. Auch Susanne Hoffmann geht es um die bessere Verständigung mit polnischen Gästen in einem Kulturaustausch. Nadin Staye arbeitet als Übersetzerin und betreibt als Hobby Ahnenforschung. „Meine Familie kommt aus Polen, mein Mädchenname ist Ukrainisch.“
Maria Rahnefeld sagt, dass sie auch Wunsch-Themen in den Stunden bespricht, „je nach den Bedürfnissen.“ Sie bewundere die Leute, die nach der Arbeit abends noch hinkommen. „Ich versuche, die polnische Kultur mit einfließen zu lassen.“ Es gehe schließlich um Verständigung – und nicht nur um stures Pauken.