Investition nur in Eigentum
Bisher sei das Vorhaben über den Ergebnishaushalt abgerechnet worden und die Aufwendungen an Dritte, die DB Netz AG als Eigentümerin, verbucht worden, erläuterte Bauamtsleiter Helge Suhr. "Die Aufnahme von Krediten ist aber haushaltsrechtlich nur möglich, wenn damit Investitionen finanziert werden", führte der Mitarbeiter der Amtsverwaltung mit Sitz in Wriezen weiter aus. Investitionen seien aber nur an Eigentum möglich oder an Objekten, die die Dauer der Abschreibung der Investition umfasse. Der bisherige Vertrag mit der Bahn ermögliche nur eine Nutzung von 15 Jahren, von denen aber bereits vier vorüber sind. Deshalb werde die Nutzungsdauer mit dem geänderten Vertrag auf 40 Jahre erhöht.
"Die Brücke soll jedoch so lange gar nicht in der Verfügung des Amtes bleiben, sondern in eine Stiftung oder in eine GmbH überführt werden", sagte Suhr gegenüber dem Amtsausschuss. Die Brücke ist für das Amt oder die Gemeinde Oderaue eine Nummer zu groß, auch der Landkreis hat kein Interesse
Daher sei ein Sonder-Kündigungsrecht in den Vertrag aufgenommen worden: "Jede der Vertragsparteien kann diesen Vertrag frühestens zum 30. September 2056 ordentlich kündigen. Die ordentliche Kündigung hat in schriftlicher Form zu erfolgen und muss dem jeweils anderen Vertragspartner spätestens am 30. Juni des Jahres vorliegen, zu dessen 30. September die Kündigung erfolgen soll", heißt es wörtlich in Paragraf sechs des Vertrags. Dieser werde nach der Überführung der Europabrücke in eine andere Körperschaft gekündigt. Die Investition und das daraus gebildete Anlagevermögen verschwinden dann aus dem Haushalt des Amtes. Der Abschluss des Vertrags sei notwendig, um einen genehmigungsfähigen Haushalt für dieses Jahr zu bekommen und für die nächsten Jahre aufstellen zu können, betonte Suhr
Der "Vertrag zur teilweisen Überlassung und Nutzung einer Eisenbahnbrücke als Grenzübergangsmöglichkeit" zwischen der DB Netz AG und dem Amt Barnim-Oderbruch war bereits im August 2016 abgeschlossen worden. Mittlerweile hat das Amt Fördermittel  über das Interreg-Programm der Europäischen Union eingeworben, so dass mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte. Doch das Geld reicht womöglich nicht aus, denn die Explosion der Baukosten macht auch vor Barnim-Oderbruch nicht halt. Die Berechnung fußen auf 4,5 Millionen Euro. Noch im März, als keine Fördermittel geflossen waren, hatte Amtsdirektor Karsten Birkholz von geschätzten sechs Millionen Euro gesprochen. Diese Summe enthalte alle Aufwendungen vom Wasserbau bis zu Bänken und Fahnenstangen. Wegen der hohen Kosten war der Bau auf deutscher Seite verschoben worden. In Polen dagegen haben die Arbeiten schon begonnen.
Neuer Belag
Wenn  die Schienen entfernt sind, beginnen Korrosionsarbeiten am Bauwerk. Wie umfangreich sie sein werden, hängt von den dem Amt zur Verfügung stehenden Mitteln ab. Anschließend bekommt die Brücke noch einen neuen Belag. Denn der Weg unter den Schienen weist bisher Lücken auf. Die Brücke stammt aus den fünfziger Jahren und sollte militärisch genutzt werden, um im Kriegsfall den Nachschub zu sichern. Die Brücke war jedoch seit 1983 in der DDR und seit 1994 in Polen außer Betrieb. Der Versuch, einen Draisinenverkehr einzurichten, wurde 2018 beendet.