In der Halle des Betriebes von Torsten Schröder riecht es nach frisch geschnittenem Holz. Hier stapelt der 21-jährige Wojciech aus Polen Balken, darf unter Anleitung aber auch die Maschinen des Betriebes bedienen. „Die Praktikanten sind nicht zum Fegen hier“, betont Mitarbeiter Erdmann Rudolf. Anstrengend findet der junge Pole die Arbeit nicht, hat in seinem Heimatland bereits auf Baustellen gearbeitet, Maschinen und Gabelstapler repariert. Im Bad Freienwalder Betrieb soll Wojciech gemeinsam mit seinem Landsmann, dem 19-jährigen Marcin, den Bau von Fachwerkhäusern erlernen.
Die beiden Polen sind zwei von 24 Praktikanten aus dem östlichen Nachbarland, die seit dem 16. März im Gebäude des Vereins zur Förderung von Beschäftigung und Qualifizierung Bad Freienwalde (VFBQ) in der Wasserstraße untergebracht sind und noch bis zum 19. Mai in 13 Betrieben der Region arbeiten. Es sind Schulabgänger oder langzeitarbeitslose Polen im Alter von 18 bis 35 Jahren, die mit der Tätigkeit in den deutschen Unternehmen, ihre Qualifikation für den polnischen Arbeitsmarkt aufbessern wollen. Seit 2007 fungiert der VFBQ als Aufnahmeorganisation für das Leonardo da Vinci-Programm der EU, mit dem Auslandaufenthalte zum beruflichen Lernen gefördert werden.
In Polen haben die Praktikanten zuvor bereits einen Sprachkurs belegt. Aber reicht der wirklich aus, um sich zu verständigen und sich im Arbeitsalltag zurechtzufinden? „Das hängt immer vom Menschen ab“, sagt Projektkoordinatorin Agnieszka Sayduk. Nicht alle hätten die Lust dazu und würden sprachlich auf Grundkenntnissen bleiben. Trotzdem hält Sayduk es für wichtig, dass viele Polen die Erfahrung machen in Deutschland zu arbeiten. „Sonst träumt man nur“, sagt sie.
Viele der polnischen Praktikanten träumen auch davon, nach ihrem neunwöchigen Einsatz in ihrem Betrieb Fuß zu fassen. Ab Mai ist der deutsche Arbeitsmarkt für polnische Staatsbürger geöffnet. Ein Praktikant aus der vorherigen Gruppe hat es geschafft. Er kann in einem Monat bei einem Bäcker in Wriezen anfangen, berichtet Agnieszka Sayduk.
Das würde auch Wojciech gern schaffen und hat keine Sehnsucht nach seiner Heimat. Anfeindungen hat er noch nicht erlebt. „Ich möchte, dass man mit meiner Arbeit zufrieden ist“, sagt er. Vorarbeiter Erdmann Rudolf kann über die Tüchtigkeit seines Schützlings nicht meckern. Die Verständigung meistern beide mit dem Wörterbuch, zeigen sich die Vokabeln, wenn ihnen die richtige Aussprache fehlt.
Kommunikation ist beim Praktikumsplatz der 27-jährigen Karolina Kozlowska noch wichtiger. Wenn die Tischlereipraktikanten gerade aus der Mittagspause kommen, beginnt für die Polin die Arbeit im Brunnencafé. Hier muss sie Bestellungen der Gäste entgegen nehmen und auf Rückfragen reagieren. Inhaber des Brunnencafés Jürgen Auge schwärmt noch heute von ihrer Vorgängerin Magdalena und glaubt auch mit Karolina eine Kraft gefunden zu haben, die zum Unternehmen passt, auch wenn sie noch etwas schüchterner ist. Dafür könne man polnische Touristen überraschen, wenn diese in ihrer Landessprache bedient werden, sagt Auge.