Aber bislang gibt es immer noch keine Antwort, weder mündlich noch schriftlich. Vier Wochen ist es jetzt her, dass die Initiative ihren Brief an Landrat Gernot Schmidt (SPD) gesendet hat. Darin haben sie die Bitte formuliert, bis zum 4. Juli eine Entscheidung zu treffen. Auch wenn eine Entscheidung verwaltungstechnisch so schnell nicht möglich ist, verlangen die Eltern, ihr Thema als Tagesordnungspunkt in die Sitzung des Kreistags am 29. Juni aufzunehmen.
Denn die Zeit drängt. Die Sommerferien beginnen am 21. Juli. Bis dahin sollte klar sein, ob ihre blinden und sehbehinderten Kinder weiter die Schule mit sonderpädagogischen Förderschwerpunkt "Sehen" in Königs Wusterhausen besuchen können.
Zum kommenden Schuljahr wird der Fahrdienst, mit dem die Schüler aus Märkisch-Oderland derzeit täglich in die Schule gebracht werden, nicht mehr gewährleistet. Das haben die Abgeordneten vergangenes Jahr mit der Änderung der Schülerbeförderungssatzung beschlossen. Stattdessen sollen die Kinder das Internat vor Ort besuchen und nur einmal in der Woche dorthin gebracht werden. Aus Sicht der Eltern eine indiskutable Alternative. Denn - und so formuliert es Joachim Haar, Geschäftsführer des Landesverbandes für Blinde und Sehbehinderte, in seinem Brief an den Landrat: "Einige Eltern können medizinische Gutachten vorlegen, dass ihre Kinder mit Mehrfach-Behinderungen, nicht internatsfähig sind. In der besagten Richtlinie steht nichts von einer Einzelfallprüfung, die unverzichtbar ist." Kein Fahrdienst würde für die blinden oder kurz vor der Erblindung stehenden Kinder bedeuten, sie wären auf sich selbst angewiesen. Und das in einer Phase, die gerade zu Beginn des Schullebens die Betreuung der Eltern und des gewohnten Umfeld bedarf. Oder im Umkehrschluss: "Einige Kinder hatten in der Schule am Heimatort einen echten Fehlstart und waren selbstmordgefährdet", schreibt Joachim Haar. Ohne den Fahrdienst, also auch ohne die Spezialschule, die für die Eltern so nicht mehr in Frage kommt, gehe genau das verloren, was allgemein als "Inklusion" beziehungsweise als gleiche Teilhabe bezeichnet wird.
Was der Landesverband sowie auch die Eltern weiterhin bemängeln, ist die unzureichende Information vorab. Die Änderung der Schülerbeförderungssatzung wurde im April vergangenen Jahres festgelegt. Eine Mitteilung erhielten die meisten Eltern allerdings erst in diesem Jahr, berichtet Stefanie Warstat aus Wriezen, eine der betroffenen Familien. Auf Anfrage dieser Zeitung, warum es zu dieser Verzögerung gekommen ist, entgegnet der Landkreis: "Die Umsetzung der Satzung geschah schrittweise. Die Anmeldungen für den Spezialverkehr waren zu diesem Zeitpunkt schon in Bearbeitung, so dass die Änderung der Satzung im Schuljahr 2015/16 noch nicht umgesetzt wurde."
Auch Fred Oelschläger, Leiter der Spezialschule, versteht die Einschränkung nicht. "Die Eltern müssen mit ihren Kindern die Entscheidung treffen können, welche Option am besten ist." Eine fachliche Einrichtung - wie etwa ein Kinder- und Jugendärztlicher Dienst - wäre bei der Beratung zur Satzungsänderung notwendig gewesen.
Die Initiative hat sich indes an den Landtagsabgeordneten Marco Büchel (Linke) und Christel Kneppenberg (SPD) gewandt. Zudem haben sie den Landkreis Märkisch-Oderland aufgefordert, ihren Brief allen Abgeordneten zukommen zu lassen. Die Forderung der Eltern an die Entscheidungsträger ist klar: "Überdenken Sie den Beschluss! Wir wollen den Fahrdienst der Kinder gesichert sehen."