Große Augen und ein Strahlen im Gesicht bekamen die Mädchen und Jungs der Klassenstufe sieben des Bertolt-Brecht-Gymnasiums in Bad Freienwalde am vergangenen Freitag. Grund für den Freudenausbruch waren die frisch eingetroffenen Tablets, mit denen sie in den nächsten Jahren das digitale Lernen lernen sollen. Damit rüstet sich das Gymnasium der Kurstadt für die digitale Zukunft, deren Bedeutung in der Zeit der Schulschließungen richtig deutlich wurde.

Digitalisierung schon vor Corona angestrebt

„Wir haben die Digitalisierung an unserer Schule aber tatsächlich schon vor Corona angebahnt“, berichtet Schulleiterin Kristina Doerschel. Dafür wurde ein Vertrag mit dem Landkreis Märkisch-Oderland geschlossen, dass das Bertolt-Brecht-Gymnasium in diesem Jahr als eine von zwei Pilotschulen agieren soll. Die Eltern konnten sich zwischen zwei Tablet-Varianten entscheiden, in den kommenden drei Jahre zahlen sie monatlich eine Leasingrate, erklärt Doerschel. Server und WLAN-Punkte in der Schule werden durch den Digitalpakt des Bundes eingerichtet.
Gefördert wird das Projekt vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) der Universität Potsdam. Das Institut stellt die HPI Schul-Cloud zur Verfügung, über die der Austausch zwischen Lehrern und Schülern stattfindet. Ziel sei es, das digitale Lernen zu fördern und die Schüler so auf eine Zukunft vorzubereiten, die sich digital abspielen wird, nennt Doerschel den Grund dafür, warum sich die Schule für dieses Projekt beworben hatte.
Auf den Tablets sind unter anderem auch die Inhalte der Schulbücher gespeichert, mit denen auf offline gearbeitet werden kann. Außerdem Lernplattformen für einige Unterrichtsfächer. „Die Tablets sind für den Schulunterricht gedacht und sollen eigentlich auch dafür genutzt werden, aber natürlich dürfen sich die Schüler auch ein paar Apps herunterladen“, erklärt Kristina Doerschel. Schließlich sei ja auch das irgendwie eine Form des Digitalen Lernens.

Pandemie deckte die Defizite auf

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schulschließungen deckten die Defizite auf: Lerninhalte sollten plötzlich online übermittelt, die Arbeiten der Schüler ebenfalls per Datenautobahn an die Lehrer versandt werden. Die Realität sah in vielen Fällen jedoch anders aus. Schüler, die technisch nicht auf dem Stand waren, wie andere, oder in einem Ort leben, in dem es keinen vernünftigen Internetempfang gibt, drohten abgehängt zu werden. Und damit die schulische Zweiklassengesellschaft.
„Alle 48 Schüler der Klassenstufe sieben haben daheim einen Internetzugang. Nicht alle gleich gut, aber immerhin“, ist Kristina Doerschel schon mal beruhigt. Aber auch die Lehrer müssen digital auf dem neuesten Stand sein, immerhin sollen sie immer noch die Lerninhalte vermitteln. „In einigen Bereichen werdet ihr wohl schnell mehr wissen als ich“, gesteht Klassenlehrerin Cordula Wagner ihren Schülern.

Wer ist Lehrer und wer Schüler?

„Da muss der ein oder andere sicher auch mal über seinen Schatten springen und dann tatsächlich die Schüler um Rat fragen“, macht Kristina Doerschel deutlich, dass die Rollen zwischen Lehrer und Schüler auch mal wechseln können. „In den vergangenen Wochen gab es sehr viele Fortbildungsstunden für unsere Lehrer. Wir wurden schon ziemlich überrollt davon, was wir alles können sollen, aber nicht können können“, gibt Doerschel zu, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis Schule wirklich digital funktioniert.