Max ist schon ganz aufgeregt. Unruhig tigert der Weimaraner-Deutsch-Drahthaar-Mischling in seiner Transportbox hin und her, während sein Herrchen das Auto aus Bad Freienwalde heraus steuert. Wolfgang Kittel macht das öfter, eine kurze Fahrt mit dem Auto, dann raus ins Grüne mit dem Hund. Doch ganz so grün ist es nicht überall, selbst im sonst so schönen Umland nicht.
"Ich bin gebürtiger Bad Freienwalder", erklärt Kittel hinterm Lenkrad. "Ich liebe meine Heimat und die Umgebung hier, die Felder und die Berge." Genau aus diesem Grund hat der 57-Jährige auch beim Heißen Draht unserer Zeitung angerufen. Weil er nicht verstehen kann, was die Leute mit dieser Landschaft anstellen.
Erste Station: Alaunwerk, auf halber Strecke nach Falkenberg, unmittelbar neben dem alten Friedhof. Obwohl bereits seit 1992 stillgelegt, werden hier noch immer einige Gräber gepflegt. Die Ruhestätte ist derzeit übersät mit blühenden Blausternen. Ein schöner Anblick, wäre nicht der Müll, der sich unmittelbar hinter dem Zaun sammelt. "Die Friedhofsbesucher ehren ihre Angehörigen, aber ihren Mist, den lagern sie hier ab", regt sich Wolfgang Kittel auf. Plastik-Blumentöpfe, alter Grabschmuck aus Kunststoff: Alles wandert einfach über den Zaun. Sehr zum Ärger des Hundebesitzers.
Dabei stellt sich das, was vor dem alten Tor des Friedhofs lagert, im weiteren Verlauf der Mülltour noch als harmlos heraus. Regelrecht kriminell wird es entlang der KAP-Straße, auf halbem Weg zwischen Bad Freienwalde und Altranft. Holzstühle, Teile eines alten Drahtzauns, haufenweise Wellasbest: Der weite Blick über die Felder zum Deich entlang der Alten Oder wird verschandelt. "Das scheint hier eine beliebte Müllabladestelle zu sein", konstatiert Kittel, "mit dem Auto gut zu erreichen."
Er steigt wieder in seinen Kombi, lässt Max im Laderaum Platz nehmen und weiter geht die Fahrt. Einige hundert Meter die KAP-Straße hinunter, gleich hinter Flämmingsau, wird er erneut fündig: Planen, ganze Matratzen, alte Farbeimer, noch halb gefüllt. "Das ist eine Schweinerei." Wolfgang Kittel schüttelt den Kopf. "Dafür habe ich kein Verständnis." Für Abfall wie diesen gebe es doch den Sperrmüll oder eben das Schadstoffmobil.
Auch zurück im Stadtgebiet entdecken Kittel und sein Hund den ein oder anderen Schandfleck. "Beste Citylage", sagt Wolfgang Kittel sarkastisch, als er sich auf der Kanalstraße an das Geländer lehnt. Die Uferböschung des Landgrabens ist mit Unrat übersät. Derweil schnüffelt Max neugierig an den Müllhaufen herum. Herrchen muss ihn scharf zurückrufen. "Das ist wirklich ärgerlich", sagt Kittel, "man muss immer aufpassen auf den Hund, bei all dem Mist der hier rumliegt."
Eine Beobachtung, die auch andere Leser gemacht haben. Rico Raabe hat der Redaktion eine E-Mail geschrieben, in der er sich über die vielen Glasscherben auf den Gehwegen der Stadt beschwert. "Das ist sehr lästig, wenn man mit seinem Hund Gassi gehen möchte, weil man nur darauf achten muss, dass er nicht da rein tritt", erklärt der Freienwalder.
Einem Freund Raabes sei mit seinem Tier genau das passiert. "Der Ballen vom Hund war bis zu den Sehnen aufgeschnitten." Er musste mit sechs Klammern wieder geschlossen werden. Rico Raabe ist der Meinung, dass die Stadt am falschen Ende spare. "Dass die Gehwege nicht jeden Tag gereinigt werden können, ist mir auch klar." Aber an einigen Stellen lägen die Scherben schon seit November.
Ein Vorwurf, den Tobias Bauert von der Stadtverwaltung gleich weitergibt: "Die Grundstückseigentümer sind zuständig für die Reinigung auf den Gehwegen." Die Stadt sei lediglich an größeren öffentlichen Räumen, wie dem Fontane-, dem Albert-Schweitzer-Platz und an der Konzerthalle, mit der Säuberung beauftragt. "Die ist dort noch nicht abgeschlossen", erläutert Bauert, "weil wir erst am Montag angefangen haben."
Als er von den Schandflecken im Bad Freienwalder Umland erfährt, stellt der Verwaltungsmitarbeiter Hilfe in Aussicht: "Außerhalb ist eigentlich der Landkreis zuständig", gibt Tobias Bauert zu bedenken, "doch wir werden da mal jemanden hinschicken."
Wolfgang Kittel und Max wird das sicherlich freuen. Dabei möchte der Bad Freienwalder nicht falsch verstanden werden: "Ich mache der Stadt keinen Vorwurf", stellt er klar, als er am Ende der Mülltour wieder in heimische Gefilde einbiegt. Ihm gehe es viel mehr um die Leute, die ihren Dreck einfach so in die Gegend werfen. "Das ist eine Frage der Mentalität", da ist sich Kittel sicher. Ist das schlimmer geworden? "Na, besser ist es auf jeden Fall nicht geworden."
Bitte helfen Sie uns, auch andere Dreckecken zu finden. Wenn Sie einen weiteren Schandfleck oder einen noch größeren Müllberg entdecken, schreiben Sie uns eine E-Mail an freienwalde-red@moz.de oder rufen Sie uns an unter Telefon 03344 5013.