Hätte die Zeitschrift NBI nicht die unsäglichen Zustände in den DDR-Kinderheimen an die Öffentlichkeit gebracht, Schacks wären womöglich nicht geworden, was sie heute sind: nämlich begeisterte Anhänger davon, Kinder und Jugendliche mit Kunst zu füttern. So früh wie möglich.
Rosemarie und Otto Schack sitzen in ihrem Haus in Ackermannshof in geschmeidigen grünen Polstern und spielen sich die Erinnerungen zu wie einen Pingpong-Ball. Er sagt: Sein Bruder, der Kunsterzieher am Bernauer Gymnasium war, sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass sie die Aufträge damals bekommen hätten. Sie sagt: Ihr Mann sei ein Multitalent, handwerklich und künstlerisch gleichermaßen begabt. Das hätte den Auftraggebern imponiert. Am Ende ist es vermutlich eine Mischung aus vielen Umständen. Fest steht, dass Schacks die Lebenssituationen in Kinderheimen in Brandenburg umgekrempelt haben.
50 Jahre liegt das zurück. 1965 machte Otto Schack, der aus Bitterfeld stammt, sein Diplom an der Kunsthochschule Weißensee. Seine Frau war da schon fertig mit ihrer Ausbildung an der Fachschule für angewandte Kunst in Oberschöneweide. Später fing auch sie ein Kunststudium an.
Die Schacks haben sich wie etliche Weißenseer Absolventen und Dozenten dauerhaft im Brandenburgischen verheimatet. So wie Sonja Eschefeld, Sophie Natuschke, Dietmar Polloks, Werner Stötzer (1931-2010) und Peter Hoppe (1938-2010).
1962 lernten sich Schacks in Berlin kennen. 200 Mark erhielt der Student vom Staat, plus fünf Mark Berlinzulage. Die Wohnungssituation war mies. Aber Dachböden ausbauen, war trotzdem verboten. Schacks sprachen 1966/67 so lange beim zuständigen Baudezernenten vor bis sie sich doch ein Stübchen unterm Dach herrichten konnten. Danach, sagt Otto Schack, sei das Verbot aufgehoben worden. "Wir bekamen dann jede Menge Post, wie wir das mit den Fenstern gemacht hätten zum Beispiel", erzählt seine Frau Rosemarie. Das Haus in Ackermannshof haben sie in den 1970-er Jahren bezogen. Da war längst klar, dass sie bleiben würden.
Viel Arbeit lag vor ihnen. Der Innenausbau des Kinderheims Schluft in Groß Schönebeck war einer ihrer ersten Aufträge. Bett an Bett stand dort. Wände waren beschmiert, Möbel kaum vorhanden. Die Kinder seien aggressiv gewesen, erzählt Otto Schack. "Kein Wunder bei den Zuständen." Er sieht Parallelen zur aktuellen Flüchtlingssituation. "Im Grunde", sagt er, "könnte man in den Auffangstellen und Notunterkünften wieder von vorn anfangen. Die Aufgabe hat sich nicht geändert." Er meint damit, Enge braucht Gestaltung.
Er hat das bei der Arbeit für die Kinder gesehen. Rosemarie Schack baute Regale aus Ästen mit ihnen. Bunte, kinoleinwandgroße Wandbilder entstanden in der Zeit. Viele auch im öffentlichen Raum in Berlin. Überall, wo sie Unterkünfte kindgerecht umgestalteten, riefen sie eine Kunstwerkstatt ins Leben. Die Kinder von damals besuchen das Ehepaar noch heute. Aus Dankbarkeit.
Rosemarie Schack, 75, gibt noch immer Kunstkurse in Werneuchen. Ihr Mann ist stets dabei. Aus den Kindern sind dort ältere, kunstinteressierte Damen geworden. "So haben wir es uns immer vorgestellt", sagt Rosemarie Schack. "Wir wollten eine dauerhafte Freude an der Kunst vermitteln."