Grund für den Anstieg der Wasserstände ist die Eisbildung auf der Oder, die den Landkreis Märkisch-Oderland erreicht hat. Die Eisstandsgrenze bewegte gestern Abend drei Kilometer unterhalb des Pegels Hohensaaten-Finow, teilte das Hochwassermeldezentrum Frankfurt (Oder) mit. Oberhalb der Eisstandsgrenze ist lediglich leichtes Treibeis zu beobachten. Beim Landkreis sorgt dies vorerst für Erleichterung, denn Eisversetzungen seien nicht zu erwarten. Bei Eisversetzungen schieben sich Schollen übereinander und setzen die Deiche unter Druck. In der Warthe sei oberhalb der Mündung in die Oder unverändert eine Eisdecke vorhanden, so das Hochwassermeldezentrum. Der Landkreis werde das Warthe-Eis intensiv beobachten, so der Landrat. Lösten sich dort Eisschollen würde dies die Situation auf der Oder verschärfen.
Der Eisaufbruch mit sieben polnischen und drei deutschen Eisbrechern sei fortgesetzt worden, teilte das Hochwassermeldezentrum weiter mit. Sie kamen bis ein Kilometer oberhalb von Schwedt, weshalb die Wasserstände an der dortigen Schleuse drastisch um 50 Zentimeter und an der Stadtbrücke um 25 Zentimeter gefallen waren. Wie lange die Eisbrecher von Schwedt bis Hohensaaten brauchen, wollte gestern noch niemand sagen. Sie kommen derzeit nur langsam voran, hieß es im Landratsamt.
In Hohenwutzen sind gestern 1800 Sandsäcke verbaut worden, um zwei Häuser in der Oderstraße abzusichern, die direkt am Deich liegen. „Wir sind seit Sonnabend, 10 Uhr, im Einsatz“, sagte Volker Schure, Ortswehrführer von Hohenwutzen. Zunächst zur Klärung der Lage, ab 13 Uhr füllten sie Sandsäcke. Unterstützung erhalten die zwölf Feuerwehrleute aus Hohenwutzen von zwölf Kollegen aus Neuenhagen, sieben aus Schiffmühle und zwei aus Altglietzen, die den Funkverkehr sichern. Auch das technische Hilfswerk (THW) Seelow ist mit sechs Leuten vor Ort. Zehn Frauen und Männer vorm DRK übernehmen die Versorgung
5000 Sandsäcke lieferte der Landkreis nach Hohenwutzen. „Wir werden sie füllen und als Reserve bei uns lagern“, sagte Schure. Den Sand haben die Feuerwehrleute in eine Halle neben dem Gerätehaus verfrachtet, die sie jetzt beheizen, „Wenn der Kies gefriert, haben wir keine Chance mehr“, so Schure.
Die Feuerwehr Hohenwutzen sucht dringend Deichläufer. Interessenten können sich im Freienwalder Ordnungsamt unter Telefon 03344 412148 melden.
Landrat Gernot Schmidt (SPD) hat am 1. Januar für den Oderabschnitt zwischen der Grenze zum Landkreis Barnim und Bienenwerder die zweithöchste Alarmstufe III ausgelöst. Am Pegel Hohensaaten-Finow stieg das Wasser von Freitag bis Sonntag um einem Meter auf 6,92 Meter. Grund dafür ist die Eisbildung nördlich von Hohensaaten. Zur Sicherheit ist Nachmittag des 2. Januar die Deichscharte bei Zollbrücke geschlossen worden.