Wie eine Erntekrone gebunden wird, das haben Besucher am Sonntag in Altranft erlebt. Dort ließen sich die Frauen vom Altranfter Traditionsverein und weitere Akteure über die Schulter schauen. Das Oderbruch Museum Altranft hatte dazu unter dem Titel „Ährensache“ eingeladen.
Hafer, Triticale, Weizen, Roggen, Trockenblumen, Bindedraht und ein Gestell – das und jede Menge handwerkliches Geschick sowie viele helfende Hände sind die Zutaten für eine klassische Erntekrone. Wer sehen wollte, wie eine solche innerhalb von Stunden entsteht, der war am Sonntagmittag genau richtig auf dem Platz vor dem alten Fischerhaus. Während Joachim „Cäsar“ Schmidt die 14 Frauen vom Traditionsverein mit Arbeitsmaterial versorgte, banden die Frauen mit flinken Fingern kleine Sträuße. Zehn bis zwölf Halme zählte jeder von ihnen. Je nach Größe und Stärke des Getreides. Zum ersten Mal dabei war Anneliese Fritze. Sie freute sich, dass das Getreide in diesem Jahr richtig schön aussehe, goldig. Vor allem der Hafer. Den zu bekommen, sei diesmal aber nicht so einfach gewesen, meinten die Frauen. Bei Eckhard Finke in Neugaul seien sie aber fündig geworden. Das andere Getreide holte Joachim Schmidt, wie in den Jahren zuvor, von den Versuchsfeldern von Hans-Joachim Schulz aus Mädewitz.
„Wenn man erst einmal damit angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Dann packt einen der Ehrgeiz“, sagte Renate Werner lachend der MOZ. Die 69-Jährige ist gelernte Gärtnerin und habe dank einer Ausbilderin schon früher sehen dürfen, wie eine Erntekrone gebunden wird. Dass sie quasi Jahre später daran mitwirken kann, ist wohl ein bisschen der Tatsache geschuldet, dass ihre Nichte, Dörte Rieck, die alljährliche Erntekrone fürs Erntedankfest, diesmal am 7. Oktober, bindet. Und die fehlte natürlich am Sonntag nicht. Eigens dafür reiste sie aus Salzwedel in ihren Heimatort Altranft.
Neu in der Runde war Kerstin Eigenfeldt. Die Altreetzerin hatte die Einladung des Oderbruch Museums gern angenommen und ließ sich von Besuchern der Veranstaltung über die Schultern beziehungsweise auf die Finger schauen. Auch sie stellte ihr handwerkliches Geschick unter Beweis. Hilfe bekam sie von ihrer Freundin Kerstin Knie. Seit 9 Uhr morgens war sie schon mit dem Binden beschäftigt. Die Vorbereitungen allerdings haben bereits Wochen vorher begonnen. Schließlich muss ausreichend Getreide gefunden, geschnitten, getrocknet und die Sträuße gebunden werden. „Ich schneide die Halme alle auf Länge und trockne sie in Kisten. Die kommen auf meinen Boden. Der ist trocken und dunkel“, erzählte Kerstin Eigenfeldt auf Nachfrage von Friedhelm Quast aus Buchholz. Er war mit Ellen Kretschmann vom Verein „Wir Buchholzer“ nach Altranft gekommen, um ein paar Erfahrungen zu sammeln. Denn die Buchholzer haben schon die eine oder andere Erntekrone zum Landeserntefest in Neuzelle gebunden.
Das Thema Erntekrone ganz frei interpretierten Kenneth Anders und seine Familie am Stand nebenan – mit Schafwolle und Pflanzen aus dem eigenen Garten. „Wir wollten, dass in diesem Jahr noch mehr Leute eine Erntekrone binden. Und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen“, erklärte Kenneth Anders vom gastgebenden Oderbruch Museum.