Ihr alljährliches Erntefest lassen sich die Sternebecker und Harnekoper nicht nehmen. „Wir beide waren zwar eigentlich schon so weit, dass wir es abgesagt hätten“, verriet Harnekops Ortsvorsteherin Carola Damaszek am Sonnabend mit Seitenblick auf ihren Sternebecker Amtskollegen Dirk Hartwig. Doch nun waren sie froh, dass Hartwigs langjähriger Vorgänger Dieter Juritz, gefühlt schon immer auch das Herz hinter Umzug und Fest, auf die Fortsetzung der Tradition selbst im Corona-Jahr 2020 gedrängt hatte. Also wurde organisiert – mit noch mehr Aufwand als sonst, auch wenn im Umfang alles kleiner war. „Anrufe beim Gesundheitsamt, Recherchen auf den Internetseiten der Landesregierung, Erstellen des Hygienekonzepts“, beschreibt Carola Damaszek diesen herausfordernden Vorlauf. Dankenswerterweise sei über die Amtsverwaltung alles mit notwendigen Genehmigungen dann recht zügig erfolgt.
Bunte Fahrzeugkolonne beim Erntefest 2020 in Sternebeck/Harnekop

Erntefest-Umzug Bunte Fahrzeugkolonne beim Erntefest 2020 in Sternebeck/Harnekop

Gefeiert wurde nur „ortsintern“

Keine Werbung über die Ortsgrenzen hinaus (weshalb es auch keine Vorab-Nachricht in der MOZ gegeben hatte), das war einer der Punkte. Somit blieben die Einwohner der beiden Prötzeler Ortsteile bis auf ganz wenige Ausnahmen, meist in verwandtschaftlichen Verhältnisse oder sonst engen Kontakten begründet, tatsächlich unter sich. Traditionsgemäß wird beim Feiern immer zwischen den beiden Dörfern gewechselt, diesmal wäre eigentlich wieder Sternebeck an der Reihe gewesen. Doch um den speziellen Anforderungen Genüge zu tun, fand das minimierte Fest in Harnekop statt – und dort auch nicht wie üblich auf dem Festplatz, sondern auf dem Tigerhof von Yvonne und Knut Muderack, denen Carola Damaszek dafür und die tatkräftige Mithilfe besonders dankte. Auf diese Weise war es möglich, sicherzustellen, dass sich am Eingang alle bei Ute Schimanek in die Liste eintrugen. „Die dürfen schon durch“, hieß es lediglich über die Musiker, die auf auf einem separaten Zettel mit ihren Kontaktdaten vermerkt waren.

Auch zwei lebende Pferdestärken dabei

Dass Rekordzahlen wie im Vorjahr mit 43 Fahrzeugen diesmal auf diese Weise nicht erreicht werden würden, war von vornherein klar. 24 geschmückte Trecker und Erntewagen rollten am Ende in der Kolonne vom Start zum Zielpunkt, dazu Klara und Laura auf zwei lebenden Pferdestärken, auch diese liebevoll herausgeputzt, Gerhard Manthei auf dem Fahrrad sowie am Ende das Fahrzeug der Feuerwehr Sternebeck und der alte Robur der Bahnhofsfeuerwehr. Die Polizisten Uwe Lehmpfuhl und Heike Senf, die den Zug anführten, waren Punkt 13.30 Uhr in Sternebeck zur Stelle – und sprachen sich dort mit Carola Damaszek zu letzten praktischen Detail, vor allem der Streckenführung durch Harnekop, ab.

Drei Generationen hinter dem Steuer

Sozusagen in Schrittgeschwindigkeit bewegte sich die bunte Schar vorwärts: Ein paar Schaulustige in Sternebeck beim Auffahren auf die Hauptstraße, Kamera oder Handy gezückt, am Bahnübergang und am Harnekoper Ortseingang ein paar weitere. Zu bestaunen gab es reichlich. Dieter Juritz transportierte, an dritter Stelle eingereiht, die Erntekrone. Weiter hinten fiel Fischer Hannes Böhm mit einer ehemaligen DDR-Fahne über der Motorhaube auf, auch der von Frank Brieger gelenkte International 403 mit dem Plakat des Fördervereins Dorfkirche Harnekop war nicht zu übersehen. Vertreter aus drei Generationen Dorfbevölkerung waren hinter dem Steuer der in Größe, Art und Alter höchst verschiedenen Trecker zu sehen, beim Eintreffen auf dem Tigerhof wurde alle wie üblich einzeln vorgestellt, erhielten als Dank für die Teilnahme ein Präsent.

Vizebürgermeister erinnert an tieferen Sinn

Es sei schön, dass trotz allem gefeiert werde, sagte Vizebürgermeister Andreas Behnen in seinem kurzen Grußwort. Und erinnerte, selbst Landwirt, an den tieferen Sinn dieses Festes: Dank zu sagen für die Ernte, die teils schon eingebracht ist und weiter wird: „Das ist selbst in Zeiten, da der Kühlschrank scheinbar immer voll ist, nicht selbstverständlich.“ Eine ähnliche Botschaft brachte Dirk Hartwig mit dem Motto. „Die Landwirtschaft ist die erste aller Künste; ohne sie gäbe es keine Kaufleute, keine Dichter und Philosophen. Nur das ist wahrer Reichtum, was die Erde hervorbringt.“ So viele Trecker auf einmal seien es noch nie an der ehemaligen Traktorenstation gewesen, freute sich namens der Gastgeber Yvonne Muderack, damit an die Vergangenheit des Grundstücks erinnernd. Auch die Musiker des Tanz- und Blasorchesters Schulzendorf (TBOS) genossen ihren erst vierten Auftritt dieses Jahr sichtlich, warteten mit Bauernmarsch, Erntepolka und weiteren Melodien auf.