Spannung lag in der Luft. Sowohl bei den Kandidaten als auch beim Publikum, das einen direkten Vergleich ziehen kann. Ob die Teilnehmer der Podiumsdiskussion als Bewerber zugelassen werden und auf dem Wahlzettel stehen, entscheide der Wahlausschuss, sagte Pfarrer Björn Ferch, der souverän und unterhaltsam durch die Diskussion führte und darauf achtete, dass sich jeder an die Redezeit von drei Minuten hielt. Ferch und Bürger stellten Fragen. Hier einige prägnante Themen.
¦ Ferch bat die Bewerber um eine kurze Vorstellung, die Reihenfolge legte das Publikum fest:
Leonie Schölzel (BVB/Freie Wähler), 1996 in Wriezen geboren, in Bad Freienwalde aufgewachsen, gehörte 2015 zu den besten zehn Abiturienten ihres Jahrgangs im Brecht-Gymnasium, studiert jetzt in Potsdam Latein und Geschichte. Ihre Botschaft: "Die Brücke muss erhalten bleiben".
Lars Günther (AfD), 40 Jahre alt, in Wriezen geboren und in Bad Freienwalde aufgewachsen. 1994 absolvierte er eine Lehre in Berlin-Spandau, war anschließend Privatdetektiv und seit 2002 Immobilienmakler. Seit 2007/08 arbeitet er als Verlagskaufmann.
Hermann Winking (parteilos), geboren 1958 im Münsterland, ist Einzelkandidat und lebt seit einigen Jahren in Bad Freienwalde.Er absolvierte eine Lehre als Fernsehmechaniker, stieg 1980 in die Computerbranche ein und gründete für ein amerikanisches Unternehmen Geschäfte in der Bundesrepublik. Später war er Unternehmensberater.
Jutta Lieske (SPD), Jahrgang 1961, war Krippenerzieherin, bevor sie 1990 in die Politik einstieg, zuerst Bürgermeisterin in Letschin, dann Amtsdirektorin und anschließend Bürgermeisterin der Großgemeinde Letschin, absolvierte ein Studium zur Verwaltungswirtin. Seit 2004 sitzt sie im Landtag.
Ralf Lehmann (parteilos) mit Mandat der CDU, Jahrgang 1962, hat Maschinenbau studiert, ist seit 1994 Bürgermeister von Bad Freienwalde. "Ich habe alle Höhen und Tiefen durchlebt, durchgehalten und immer etwas daraus gelernt", sagte er.
¦ Warum wollen Sie Bürgermeister werden bzw. bleiben?
Hermann Winking: Ich möchte die Stadt gestalten, in der ich lebe.
Ralf Lehmann: Ich bewerbe mich, weil ich wie alle das machen möchte, wozu ich mich berufen fühle und den Dienst für und zum Wohl der Menschen gestalten will. Ich möchte aktiv an der Stadtentwicklung mitwirken. Was wir festgeschrieben haben, möchte ich beharrlich verfolgen, bis das Ziel erreicht ist.
Jutta Lieske: Bürgermeister sein, ist das schönste Amt. Man macht es nicht für sich, sondern für die Region. Mein Ortsverein meint, dass es nach 23 Jahren Zeit für einen Wechsel ist. Ich war zwölf Jahre auf Landesebene tätig, weiß wie die Stricke gelegt sind und kenne die Mechanismen. Für die Erhaltung des Heilbadstatus kann dies nur gut sein.
Leonie Schölzel: In Bad Freienwalde muss sich einiges verändern. Die Stadt braucht einen Wechsel. Veränderungen brauchen Zeit. Wer hat mehr Zeit als eine Zwanzigjährige?
Lars Günther: Bad Freienwalde war immer meine Akku-Aufladestation, hier habe ich vom Moloch Berlins meinen Tank aufgeladen. Die Stadt ist abgehängt, wie alles, was mehr als eine Stunde von Berlin entfernt ist. Ich kann etwas gegen den demografischen Wandel tun, um etwas Positives für die Stadt zu schaffen.
¦ Die Brücke ist ein Top-Thema wie wollen Sie bewerkstelligen, dass der Abriss gestoppt wird?
Leonie Schölzel: Die vier Varianten sind nicht durchdacht. Es gibt keine Möglichkeit, die Straße zu Fuß zu überqueren. Bei acht Prozent Steigung kann man nicht vernünftig bremsen. Der Abriss der Brücke muss erneut zum Beschluss vorgelegt werden.
Hermann Winking: Nicht die Brücke durchschneidet die Stadt, sondern die Straße. Die Stadt braucht ein Verkehrskonzept. Tagsüber kommt man kaum über die Königstraße, nachts werden dort Rennen gefahren.
Ralf Lehmann: Ich war von Anfang an dafür, dass sie wegkommt. Die vier Varianten befinden sich im Auditierungsverfahren durch ein unabhängiges Büro, das feststellen soll, ob sie schlüssig sind.
Lars Günther: Es führt kein Weg am Abriss vorbei, ein Kreisverkehr ist möglich. Für die Stadt wäre ein Neubau ein finanzielles Risiko.
Jutta Lieske: Für mich steht der Status der Kurstadt auf dem Spiel, die Brücke steht in allen Stellungnahmen. Es ist an der Zeit, den Ansprüchen des Landesfachbeirates zu genügen. Wir müssen daran arbeiten, die Ortsumfahrung bis 2030 zu erhalten.
¦ Wie halten Sie es mit der Weltoffenheit in Bezug auf Flüchtlinge?
Leonie Schölzel: Wer Hilfe benötigt, soll Hilfe bekommen, wenn er sich benimmt.
Lars Günther: Ich habe die Situation in Neukölln und Kreuzberg erlebt. Viele Brandenburger wollen zurück, weil sie dies in Berlin und Westdeutschland nicht mehr aushalten. Sunnitische Männer zwischen 14 und 40 wollen wir nicht haben. Wir können Afrika nicht aufnehmen, wir stoßen an Grenzen. Wem geholfen werden muss, wird geholfen.
Ralf Lehmann: Wir sind ein weltoffenes und tolerantes Bad Freienwalde, stehen dazu und machen das, was hier möglich ist.
Jutta Lieske: Wir werden weder im Landkreis noch in Deutschland von Flüchtlingen überrannt. Die Deutschen brauchen keine Angst vor Afrika zu haben
Herrmann Winking: Ich bin weltoffen und habe viele ausländische Freunde.
Die Kandidaten stellen sich heute um 19 Uhr im Gemeinschaftshaus Hohenwutzen erneut den Fragen der Bürger.