Am Donnerstag, dem 1. März 1990, fand auf dem Bad Freienwalder Marktplatz eine Kundgebung der DSU (Deutsche Soziale Union) statt, bei der es um Wahlwerbung für die anstehende Volkskammerwahl ging. Zum Thema "Freiheit statt Sozialismus" sprachen Dirk Weßlau (DSU) und der Abgeordnete des Europäischen Parlaments Otto von Habsburg (CSU), ältester Sohn des letzten Kaisers von Österreich.
Sehr viele Freienwalder erreichte diese Veranstaltung nicht. Auch die PDS-Kreisorganisation veröffentlichte in jenen Tagen ihre Wahlpositionen. An erster Stelle wollte man sich "für eine radikale, auf Marktwirtschaft orientierte Wirtschaftsreform" einsetzen, "die demokratisch leistungsorientiert ist und ökologischen Erfordernissen entspricht". Gleichzeitig aber wollte man das gesellschaftliche Eigentum, die Volkseigenen Betriebe und die Genossenschaften als dominierende Eigentumsstrukturen erhalten. Im Wahlprogramm der Sozialdemokraten dominierten der Wille zur deutschen Einheit, zu Freiheit und sozialer Sicherheit und zwar "hier in unserer Heimat".
Am 15. März 1990 fand eine Sondersitzung des Runden Tisches des Kreises Bad Freienwalde statt, die im Wesentlichen der Vorbereitung der Volkskammerwahl diente, die auf den 18. März 1990 gelegt worden war. Aus diesen ersten freien Wahlen in der DDR ging überraschend die "Allianz für Deutschland" mit 48 Prozent als Siegerin hervor. Die SPD erhielt 22 Prozent, die PDS 16 Prozent und das Bündnis 90 drei Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 93 Prozent (!).
Im Kreis Freienwalde sah das Wahlergebnis ganz anders aus. Hier siegte bei einer Wahlbeteiligung von 94,24 Prozent die SPD mit 32,89 Prozent. Die CDU kam auf 30,12 Prozent, die PDS auf 17,63 Prozent und der B.F.D. (später FDP) auf 5,3 Prozent.
Der Wahlkampf wurde nicht immer mit fairen Mitteln ausgetragen. Bis dahin hatten die DDR-Bürger ja auch noch keinen echten Wahlkampf erlebt, der sich unter anderem in einer Vielzahl von Wahlplakaten in Stadt und Land spiegelte. Mit dieser Wahl war jetzt die höchste Volksvertretung in der DDR demokratisch legitimiert, die kommunalen Parlamente in Städten und Landkreisen aber noch nicht. Deshalb war es nötig, bis zu den Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 an den Runden Tischen festzuhalten.
Auf der 7. Sitzung des Runden Tisches des Kreises Freienwalde am 20. März 1990 dankte Superintendent Behrend dem Organisationsbüro und den Wahlvorständen in den 72 Wahllokalen für den reibungslosen Ablauf der Volkskammerwahl. Zugleich richtete er an alle Parteien die dringende Bitte, "im Sinne einer umweltfreundlichen Gestaltung von Stadt und Land die Plakate und deren Reste zu entfernen". Schließlich informierte Kreisarzt Dr. Zapel über den ganz passablen Stand der medizinischen Betreuung der Bürger des Kreises sowie über Niederlassungsanträge verschiedener Fachärzte. Bis zur Kommunalwahl am 6. Mai 1990 waren es jetzt noch knapp sieben Wochen.