Das Landesumweltamt als zuständige Fachbehörde für die Gewässer 1. Ordnung und die untere Wasserbehörde des Landkreises haben das Trockenfallen des Freienwalder Landgrabens mit Besorgnis zur Kenntnis genommen", teilte Rainer Schinkel, Beigeordneter des Landkreises Märkisch-Oderland auf Anfrage mit. Die Ursachenforschung dauere noch an. Bezogen auf die unberechtigte Wasserentnahme sei die untere Wasserbehörde als Genehmigungsbehörde zuständig.
Das LfU begegne dem Wasserbedarf der Landwirtschaftet mit der Überleitung, indem es Oderwasser in das Gewässernetz des Oderbruchs überleitet. Über die Durchleiter Reitwein, Heber Kienitz und Durchleiter Güstebieser Loose erhalte das Oderbruch aktuell  mehr als 300 000 Kubikmeter pro Tag. "Damit kann der Freienwalder Landgraben nicht direkt gestützt werden, doch das Oderbruch erfährt eine erhebliche Entlastung während der augenblickblichen Dürrephase zu Beginn der Vegetationszeit. Das wird die Lage erst einmal entspannen", so Schinkel.

Gemeinsames Vorgehen des Landkreises  und des Landesumweltamtes

Um die Steuerung zu optimieren, habe das LfU den Kontakt zur Verwaltung des Landkreises Märkisch-Oderland gesucht. Ziel sei ein auf die Beregnung ausgerichtetes Wassermanagement, auch um das Trockenfallen weiterer Gewässer zu verhindern.
Unabhängig davon habe die untere Wasserbehörde des Landkreises ein Verfahren gegen einen Landwirtschaftsbetrieb eingeleitet, weil der gegen einzelne Bestimmungen aus seiner wasserrechtlichen Erlaubnis für die Beregnung von Flächen verstoßen habe, fügte der Beigeordnete hinzu. Dies habe aber nach Auffassung des Landkreises nicht unmittelbar mit der Austrocknung des Landgrabens zu tun.
Für Günter Wartenberg ist der ausgetrockenete Landgraben nicht  nur ein wasserwirtschaftliches, sondern auch ein ökologisches Problem, das die Region ihrer landschaftlichen Vielfalt beraubt. Die typischen Lebewesen verschwinden. Sei das Wasser zu niedrig, fressen die Wildschweine die Teichmuscheln auf. Günter Wartenberg war bis zu seiner Pensionierung Leiter der Nebenstelle des Landesamtes für Umwelt in Bad Freienwalde, ist aktiv im Nabu und engagiert sich bei Bündnis 90/Die Grünen. Der Landgraben sei bereits vergangenen Oktober trocken gefallen. Zum Ende der Vegetationsperiode habe sich jedoch niemand darüber aufgeregt.
Für Günter Wartenberg gibt es einen ganzen Strauß an Gründen. Hauptursache sei jedoch der geringe Niederschlag. "Wenn die zuliefernden Flächen genügend Wasser hätten, würde er daraus gespeist werden", sagt Günter Wartenberg. "Wir sind jetzt im sechsten trockenen Jahr, wovon die letzten beiden extrem trocken waren", sagt der Bad Freienwalder. Dies habe zu einer nicht unbedeutenden Grundwasserabsenkung geführt. Regenfälle füllten zuerst diese Defizite auf.

Rückstau vom Wehr Hohensaaten

Dass der Landgraben von Bad Freienwalde bis zur Rübenbahnbrücke am Schloss Altranft wieder niedriges, brackiges Wasser führt, sei weniger auf die Regenfälle der vergangenen Tage zurückzuführen. Vielmehr handele es sich um Rückstau vom Wehr Hohensaaten, das den Wasserhaushalt im Oderbruch reguliert. Das Wasser drückt sich von unten nach oben. "Im Landgraben fließt zurzeit kein Wasser", ergänzt der langjährige Chef des Deichhauses in Bad Freienwalde.
Um den Wasserhaushalt in Ordnung zu bringen, reiche es nicht, Oderwasser ins Oderbruch überzuleiten, zumal der Wasserstand in der Oder auch sehr niedrig sei. Man müsse auf bestimmte Gewohnheiten verzichten. Das wichtigste seien Winter mit viel Schnee und ausreichend Niederschläge über das Jahr verteilt.