„Wir betreiben keine Massenschlachtungen, sondern arbeiten wie in einer Manufaktur“, sagt Tim Lenz. Wöchentlich werden im Bad Freienwalder Schlachthof 30 bis 40 Schweine und höchstens sieben Rinder geschlachtet und verarbeitet. Fleisch und Wurst vermarktet der Schlachthof ausschließlich in den fünf eigenen Läden. Einer davon befindet sich direkt auf dem Gelände des Betriebs an der Eberswalder Straße in Bad Freienwalde, einer in Oderberg und drei in Eberswalde. Einschließlich der Verkäuferinnen beschäftigt der Schlachthof zehn Mitarbeiter.
„Wir sind natürlich teurer als die Fleischtheken der Supermärkte“, sagt Tim Lenz. „Bei unseren Produkten erleben Sie jedoch nicht, dass das Fleisch in der Pfanne um 30 Prozent schrumpft“, versichert er. Das Pfund, mit dem der Bad Freienwalder Betrieb wuchert, sei der Nachweis, dass die Tiere und deren Futter aus ein und demselben Betrieb kommen. „Die Schlachttiere werden stressfrei und auf kurzem Weg von Hohenfinow nach Bad Freienwalde gebracht“, so Tim Lenz.
Die SIG Agrar GmbH Hohenfinow verfügt über mehr als 900 Hektar Anbaufläche, berichtet Geschäftsführer Prof. Klaus Kindermann. Ihre Geschäftsfelder seien bei der Tierproduktion Muttertierhaltung, Rindermast, Ferkelproduktion beziehungsweise Sauenhaltung und Schweinemast. Die Gesellschafter der SIG Agrar GmbH seien auch Eigentümer des Bad Freienwalder Schlachthofes, den es seit 1899 gebe.
„Für die Tierproduktion verwenden wie nur Futtermittel, die wir selbst anbauen und kaufen keine hinzu“, versichert Kindermann. Lediglich Mineralfutter und Soja als Eiweißbestandteil für die Schweinemast würden gekauft. „Diese Stoffe sind unverzichtbar für die Mast“, so der Geschäftsführer. „Wir beziehen aber nur Soja, das mit Zertifikat verkauft wird.“ Allerdings Sojaöle, die jetzt in die Schlagzeilen kamen, oder andere wachstumsfördernde Mittel verfüttere der Betrieb nicht. Die zugekauften Futtermittel machten nur acht bis neun Prozent der verfütterten Tiernahrung aus.
„Unsere Rinder stehen das ganze Jahr über auf der Weide“, erklärte Kindermann. Lediglich für die Mast kommen die Tiere das letzte halbe Jahr vor der Schlachtung in den Stall. Neben der Fleischvermarktung lebt der Betrieb vom Verkauf von Ferkeln und Kälbern. Weil die Rinder aus Hohenfinow im Freiland aufwachsen und daher als robust gelten, verkaufe der Betrieb einen großen Teil seiner Kälber nach Bayern, berichtet Klaus Kindermann. Der Betrieb zählt 820 Rinder, davon sind 380 Mutterkühe und Bullen, die in sechs Herden gehalten werden. Nur ein Teil der Tiere werde gemästet und geschlachtet. Weiter verfügt der Betrieb über 230 Sauen, darunter 80 Jungsauen als Nachwuchs. Sie produzieren die 1300 Mastschweine, die der Betrieb durchschnittlich hält. Daneben verkauft die Agrar GmbH noch Getreide und Raps aus der Pflanzenproduktion.
„Wir können ohne Bio-Siegel eine geschlossene Produktionskette und einen regionalen Kreislauf aufzeigen“, erklärt Geschäftsführer Kindermann. Der Schlachthof verzichte auf dieses Zertifikat, weil ein entsprechender Antrag mit hohen bürokratischem Aufwand verbunden sei. Als Auszeichnung für den Schlachthof werten es Klaus Kindermann und Tim Lenz, dass die ökologische Weidewirtschaft Liepe und Bio-Bauer Ralf Behring aus Leuenberg in Bad Freienwalde ihre Tiere schlachten lassen.
„Wir haben keine Absatzprobleme, denn unsere Philosophie ist bei unseren Stammkunden bekannt“, sagt Kindermann. Durch den Dioxin-Skandal verzeichne der Betrieb sogar einen Zuwachs an Kunden.
Der Verbraucher sollte sich mehr mit dem befassen, was bei ihm auf den Tisch kommt, unterstreicht der Betriebsleiter des Schlachthofes. Fleisch müsse eine rote Farbe haben. Dies sei ein Zeichen für natürlich gewachsene Tiere. Helles Fleisch dagegen weise auf schnelle Mast hin, erklärt Tim Lenz.