Denn: Der Amtsausschuss des Amtes Barnim-Oderbruch als höchstes beschließendes Gremium ist am Dienstagabend dem Vorschlag des Amtsdirektors gefolgt, den Startschuss für die Bauarbeiten zu verschieben. Grund sind Finanzlöcher in ungeahnter Größenordnung. "Die Finanzierung ist nicht abschließend geklärt", sagte Karsten Birkholz. Zwar sei man mit dem Projekt, Deutschland und Polen durch eine für Fußgänger und Fahrradfahrer nutzbare Brücke zu verbinden, so "weit wie nie". Allerdings trenne die Kommune von der Umsetzung noch immer mindestens eine Million Euro. Wie der Verwaltungschef erklärte, stehen zwei Millionen an Fördermitteln aus dem INTERREG-Programm zur Verfügung. Aber schon vor der Prüfung der Angebote habe die Bausumme bei 4,5 Millionen Euro gelegen. "Nach der Prüfung liegt sie nun bei sechs Millionen Euro", so Birkholz. Dort sei zwar auch alles enthalten – von den Wasserbauarbeiten über die Gestaltung des Eingangsbereich bis hin zu Fahnenstangen und Sitzmöglichkeiten – aber die Summe gewaltig. "Und auch bei den vier Millionen ist alles Wesentliche enthalten", so Karsten Birkholz. Allerdings müssten dann Abstriche gemacht werden. Zum Beispiel beim Thema Korrosionsschutz. "Und dann stellt sich mir die Frage nach der Nachhaltigkeit", so der Wriezener Verwaltungschef.
Auch die Gründung einer Stiftung wurde am Dienstag vertagt. Hintergrund hierfür ist die Bedingung der DB Netz AG, die die Eigentumsrechte an der Brücke loswerden möchte. "Jedoch möchte weder die Gemeinde Oderaue noch das Amt sie im Bestand haben", sagte Birkholz den anwesenden Vertretern der Gemeinden. "Das ist für uns zwei Nummern zu groß." Und der Landkreis habe ebenfalls abgewunken. Dort sehe man die Aufgabe beim Land oder gar beim Bund. Deshalb werde es nun gemeinsam mit dem polnischen Marschallamt noch einmal ein Schreiben an das zuständige Ministerium geben.
Nun will sich der Amtsausschuss auf seiner nächsten Sitzung am 24. März noch einmal dezidiert über die Situation verständigen. "Denn ich will nicht Gefahr laufen, das wir unser Portemonnaie öffnen müssen", sagte der Amtsdirektor am Dienstag. Auf der anderen Seite könnten die Fördermittel auch nicht anderweitig – für Kitas oder Schulen beziehungsweise die Feuerwehr – verwandt werden, da sie "lediglich" für grenzüberschreitende Projekte eingesetzt werden können. Und die Zeit drängt: Die Angebotsbindefrist läuft am 31. März aus. Bis dahin muss eine Entscheidung her.
Abstimmungen erfolgt
In den vergangenen Jahren wurden mit dem Denkmalschutz und den Naturschutzbehörden Abstimmungen vorgenommen, ein Bebauungsplan erstellt und umgesetzt, eine Brückenprüfung durchgeführt und die Sanierungsplanung vorbereitet. Der für die Fördermittel zuständige Begleitausschuss hatte zuletzt knapp zwei Millionen Euro bewilligt. Im Rahmen der Ausschreibung kamen allerdings Ergebnisse von sechs Millionen Euro zum Vorschein, heißt es in der Stellungnahme des Bauamtes. Zwar ließen sich je nach Art und Umfang der Sanierungsarbeiten einzelne Bestandteile herauskürzen oder reduzieren und auf eine spätere Fördermaßnahme verschieben. Über die Anbieter, deren Leistungen und die Details solle jedoch zunächst nicht öffentlich gesprochen werden. Auch wurde die Bindefrist der erfolgten Angebote mit Zustimmung der Unternehmen bis zum Monatsende verlängert. Dieser Zeitraum ermögliche es, Reduktionen zu eruieren und weitere Finanzquellen zu akquirieren.