Mit rosa Schweinchen und verträumten Eulen locken die Damen um Kerstin Eigenfeldt an ihren Stand. Kartoffeln schnitzen, in Farbe tunken und ab damit auf Stoff. Eine Dose mit alten Hemdknöpfen ist dabei, die Nasen oder Augen. Fertig ist der tierisch bedruckte Tragebeutel. "Eltern sollen mit ihren Kindern die Chance haben", sagt die Erzieherin Eigenfeldt, "zu basteln, was nicht lange trocknen muss." Und ja, sie hätten auch etwas mit Kastanien machen können. Aber die Kartoffel steht bei diesem deutsch-polnischen Erntefest in Altranft im Mittelpunkt.
Es ist bereits das elfte Fest, das am Sonntag auf dem Anger gefeiert wird. Die Sonne bringt gute Laune und Gäste. Bis zu 3000 sollen es schätzungsweise gewesen sein. Kleine Stände mit Dingen, die man nicht auf jedem Fest findet, verstreuen sich übers Gelände. Aufstrich aus Kienitz ist dabei, Felle, Schmuck aus Hörnern, Holz und Hufen. Selten gewordene Kartoffelsorten aus dem Höhenland. Auch polnische Händler bieten ihre Ware feil. Cezary Szczupak ist Biobauer aus Marwice. Seinen Käse gibt es unter anderem mit Basilikum oder Kreuzkümmel. Seine Handcreme mit Ringelblume oder Birkenwasser.
Von überall her kommen die Gäste. Aus Berlin sogar, weil es Kartoffelpuffer geben soll. Im Schloss geht es auch ums Backen. Unter anderem. Aber aus historischer Sicht. Ein sogenanntes Backwunder hat das Team um Kenneth Anders dort aufgebaut neben anderen Oderbruch typischen Gegenständen. Daneben ist der Kommentar eines Besuchers zu lesen: "Haben darin Kassler gemacht." Ein anderer meinte: "Backautomat, genannt Drafuma." Allein 400 Gegenstände hat dem Museum Altranft der frühere Tierarzt Gerhard Porath überlassen. Darunter ein Besamungskoffer und ein mittelmäßig gemaltes Bild, das ein Pferd im Stall zeigt. Allerdings ist die Geschichte dazu durchaus spannend: Es ist ein Essen-gegen-Bild-Porträt. Entstanden nach dem Krieg. "Die Maler kehrten, um an Essen oder ein bisschen Geld zu kommen, bei ihren Auftraggebern ein zum Malen", erzählt Kenneth Anders. Die neue Ausstellung, die er am Sonntag eröffnet, heißt deshalb auch "Gegenstände und IHRE Geschichte". Die Revision, die im Schloss zurzeit betrieben wird, geht 2017 weiter. Unter anderem ist ein Schaudepot vorgesehen und ein besserer Schutz der Objekte.
Draußen geht während dessen der Kuchen aus. 24 Bleche haben Bäckerin Sabine Wartenberg und Ofenmeister Frank Stange vom Museum vorbereitet. Ausgereicht haben die Teilchen dieses Jahr nicht. Mit einem sehr persönlichen und anrührenden Gottesdienst feiern während dessen katholische und evangelische Christen aus Polen und Deutschland gleichermaßen Gottesdienst. Es geht in ihrer Predigt bei Pfarrer Björn Ferch und Priester Hieronim Knajurk Goruy, natürlich, um den Erntesegen. Knajurk Goruy dankt den Altranftern, kein reines Komsumfest zu feiern, sondern tatsächlich für die Erntegaben zu danken.
Und sie spielen wenig später beim Höhepunkt des nachmittags die wichtigste Rolle: beim Ernteumzug. Mehr als 40 Bilder rollen an zig Zuschauern vorbei. Darunter sind Bauern, Jäger, Pferdehofbetreiber, die Feuerwehr des Dorfes, Familien, Dorfgemeinschaften. Es ist ein bunter, farbenfroher Zug, der da über Kopfsteinpflaster rollt. Der schon Lust macht auf die nächste Ernte und das nächste deutsch-polnische Erntefest in Altranft.