Bürokratie und Corona: Das ist die Mischung, die Otto Kulicke aus Wriezen das Leben schwer macht. Am 1. April brannte es in seinem Wohnhaus in der Wriezener Siedlung. Rasens schnell entwickelte sich das Feuer und griff auf den Dachstuhl und sogar das Nachbarhaus über.
„Mit fünf Trupps unter Atemschutz, sowie einer gezielten Wasserabgabe über unsere Drehleiter, konnte das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht werden. Jedoch wurden mit der Wärmebildkamera immer wieder Glutnester unter dem anliegenden Dach ausfindig gemacht. Mittels unserer Rettungssäge öffneten wir die Dachpappe und löschten die Glutnester ab“, heißt es im Bericht der Wriezener Feuerwehr zu ihrem damaligen Einsatz in den frühen Abendstunden.

Haus ist seit Brand unbewohnbar

„Das war leider kein Aprilscherz“, sagt Otto Kulicke Junior, der seinen Vater zu dem Vor-Ort-Termin mit der MOZ begleitet. Der 88-Jährige ist dankbar für die Unterstützung der Familie. Denn ansonsten fühlt er sich hilflos: Im Nachgang des Brandes – das Haus ist seither unbewohnbar – stellte sich heraus, dass nur seine verstorbene Frau im Grundbuch steht. Seit 1969 wohnte das Ehepaar in der Leiststraße.
Und Otto Kulicke will unbedingt dorthin zurück. „Mein größter Wunsch ist es, zu Weihnachten wieder hier zu sein.“ Wie das gehen soll, scheint derzeit noch unvorstellbar: Überall im Hof liegen verkohlte Balken, der Vorgarten ist übersät mit kaputten Dachsteinen, in der Toilette fehlt das Dach ganz und gar, sonst schützt ein Notdach vor zu starkem Regen. „Aber einen Herbststurm übersteht es nicht mehr“, schätzt der Junior ein.

Feuer und Löschwasser haben viel zerstört

Und was das Feuer nicht zerstörte, dem hat das Löschwasser den Rest gegeben. Ein paar Möbel sind im Haus notdürftig zusammengeschoben. Die Wände sind aufgestemmt, die Tapete hängt in Fetzen.
Otto Kulicke Junior hilft seinem Vater, wo er kann. Doch er stößt immer wieder an Grenzen. „Erst war es die Bürokratie, dann Corona und nun ist überall Urlaubszeit.“ Denn erst wenn das Grundbuch geändert sei, würde die Versicherung endlich die Schadenssumme zahlen, so die Auskunft. Doch die Zeit drängt. Und aus eigener Tasche kann der hochbetagte Rentner das Geld – geschätzt mehrere zehntausend Euro – nicht vorschießen.

Baufirmen stehen für die Arbeiten bereit

Nun hängt alles am Nachlassgericht, berichtet sein Sohn. „Auch die Baufirmen stehen bereit. Aber die Finanzen fehlen uns“, bedauert er. Für seinen Vater, der sein Haus mit Garten sehr vermisst, und der derzeit in Bad Freienwalde in einem Neubau untergekommen ist, wünscht er sich nun eine schnelle und möglichst unbürokratische Lösung, damit der Senior Weihnachten wieder zurück in seinem eigenen vier Wänden ist. „Wenn auch mit Abstrichen sicherlich“, weiß der Sohn. Denn die oberen zwei Zimmer des völlig verkohlten Dachstuhls seien vermutlich nicht zu retten, befürchtet er.

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