Die Corona-Krise hat das altehrwürdige Haus in der Bad Freienwalder Innenstadt gehörig auf den Kopf gestellt. Was mit Hygieneregeln begann, führte zunächst zu eingeschränkten Öffnungszeiten und dringenden Dingen wie Erbausschlagungen, die nur noch im Kassenraum und damit hinter Glas erledigt werden konnten, bis hin zu fast ausschließlich schriftlichem Kontakt.
Schließung keine Option
Nur an einem hat der Dienstherr keinen Zweifel gelassen: Das der Dienstbetrieb aufrecht zu erhalten ist. Wie das war, berichten Annett Schulze, seit 2016 Direktorin des Amtsgerichts Bad Freienwalde, und Anke Wudka, seit Ende 2019 Geschäftsleiterin. Und damit zuständig für den nichtrichterlichen Dienst und alles Organisatorische, den Ablauf. Ganz am Anfang stand der Mitarbeiterschutz, und so wurden die Risikogruppen in die Heimarbeit geschickt. "Was nicht einfach ist, denn wir sind ja auf Präsenz ausgelegt", so Annett Schulze. "Wir haben von heute auf morgen versucht, alles umzuorganisieren", ergänzt Anke Wudka. Da es nicht immer möglich war, Einzelzimmer bei den verbleibenden Mitarbeitern zu ermöglichen, wurden Trennwände eingebaut. Mit viel Kreativität und vor allem Zusammenhalt untereinander sei es gelungen, Lösungen zu finden. "Das lässt einen zusammenwachsen, obwohl man ja eigentlich Abstand halten soll", sagt Annett Schulze. Und Anke Wudka lobt, dass alle mitgeholfen hätten, dass alles funktioniert habe. Die Mitarbeiter aber auch die Bürger.
Auch jetzt, da die ersten Verhandlungen wieder stattfanden und auch in der neuen Woche einige anstehen – von Hehlerei bis Sozialbetrug, Fahren ohne Führerschein bis Körperverletzung – bleibt es dabei, dass das Haus nur mit Mund-Nasen-Schutzmasken betreten werden kann. Im Gerichtssaal wird es nun Trennwände geben: Nach vorne in Richtung Zuschauerraum sowie dem Platz der Angeklagten und ihrer Verteidiger beziehungsweise der Staatsanwaltschaft oder der Nebenkläger aber auch zur Seite in Richtung der Protokollantin und gegebenenfalls der Schöffen.
Fünf Richter arbeiten am Amtsgericht Bad Freienwalde. Der Strafrichter nimmt seine Fälle voraussichtlich nach Pfingsten auf, blickt Annett Schulze voraus. Sie selbst verhandelt bereits seit zwei Wochen wieder. Eine Herausforderung sind und waren Vorführungen, also wenn zum Beispiel in der JVA Wriezen Untergebrachte, zu ihren Terminen erscheinen müssen. Als Angeklagte oder Zeugen. "Das wird jetzt unser Testlauf", sagt Anke Wudka. Denn eine Justizvollzugsanstalt hat als geschlossene Einrichtung ein erhöhtes Schutzbedürfnis, erklärt Annett Schulze.
Sie geht übrigens davon aus, dass das Amtsgericht für den Rest des Jahres mit den Einschränkungen und Auflagen leben muss. "Wir richten uns jedenfalls darauf ein."

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