Neue Musik kommt nicht immer aus den Charts. Manchmal kommt sie auch aus dem Keller nebenan. Oder aus dem Bandprobenraum des Wriezener Jugendhauses. Dort arbeiten die Mitglieder der Rock-Band Helio nämlich gerade an neuen Songs.
Normalerweise machen sie das in ihrem Bandraum am Hafen. "Aber dort kann man sich auf den zwölf Quadratmetern kaum bewegen", sagt Martin Genßler, Sänger und Gitarrist der Gruppe. Sehr viel größer ist der Probenraum im Jugendhaus auch nicht, allerdings steht den vier Helionauten - wie sie sich selbst nennen - dort mehr Technik für ihre Aufnahmen zur Verfügung. Für die Nutzung des Kellers sprechen sie dem Leiter des Christlichen Vereins junger Menschen, Mark Steiner, ihren Dank aus.
In der Mitte des Raums hat Thomas Wesemann, Schlagzeuger der Band, zwei Klappböcke aufgestellt. Darüber hängt eine karierte Decke. Was sich darunter verbirgt, wollten die Jungs über ihre Facebook-Seite von ihren Fans wissen. Die Antworten fielen kreativ aus: Eine Nutzerin ist der Meinung, dass sie dort einen Bierkistenvorrat versteckt hätten. Ein anderer kommentiert: "Nee, die Jungs haben einfach mal wieder das Kind in sich befreit und ne Bude gebaut." Ein weiterer Nutzer scherzt über das Versteck eines ultimativen Allround-Unterhaltungsroboters, der zum Einsatz käme, wenn die Musiker bei den Aufnahmen eine Pause einlegen würden. Kreativ, aber falsch. Der Schlagzeuger klärt auf: "Das ist ein Bassdrumtunnel, unter dem sich drei weitere Mikrophone verbergen, die bei den Aufnahmen den Bass des Schlagzeugs verstärken", sagt der 28-Jährige.
Der Kontakt zu den Fans ist Thomas Wesemann, Martin Genßler, Gordon Grund (Gitarre) und Erik Lankau (Bass-Gitarre) sehr wichtig. "Wir wollen die Leute mit unserer Musik erreichen", sagt Martin Genßler. Als Sänger der Gruppe ist er unter anderem für die Texte zuständig. "Das größte Kompliment für mich bislang kam von einem Arzt - also einer gestandenen Persönlichkeit -, als er zu mir kam und erzählte, dass er unseren Song "Flammen' zwei Wochen lang immer und immer wieder gehört hat", erzählt Martin Genßler. Der Mann habe gegen Liebeskummer angekämpft. "Es war das größte Kompliment für mich, dass er sich in dem Song wiedergefunden hat", sagt der 28-Jährige stolz.
Mit Musik können sich die vier Jungs am besten ausdrücken, sagen sie. "Die erreicht jeden", erklärt Gitarrist Gordon Grund. Warum er sich dafür entschieden habe, Musik zu machen, beantwortet er mit folgender Gegenfrage: "Warum atmest du?"
Musik zu machen ist für die Helionauten mehr als nur ein Hobby, zu dem sie sich ein- oder zweimal in der Woche treffen. Wenn es Arbeit und Familie zulassen, sitzen die vier jungen Männer oft stundenlang im Bandprobenraum, nehmen auf, albern herum, kreieren neue Melodien. "Musik wird erst richtig gut, wenn man immer wieder daran arbeitet", sagt Gordon Grund.
In den vergangenen Jahren haben sie gelernt, dass das mitunter Wochen oder Monate dauern kann. Die erste Aufstellung der Band existierte vor nun zehn Jahren - die aktuelle Besetzung spielt seit 2012 zusammen. Das ist viel Zeit, in der sich die Musiker weiterentwickelt haben, sagen sie. "Im Klang sind wir etwas härter geworden", meint Thomas Wesemann. Und das bekommen derzeit auch die Mauern des Jugendhauses zu spüren. Die Wände wackeln bei den Aufnahmen - davon vier neue und ein abgeänderter Song.
Am 16. April wollen die Wriezener Helionauten ihr Zehnjähriges in der Stadthalle feiern. Ob die Songs bis dahin fertig werden, das können sie noch nicht mit Sicherheit sagen. Auf ihrer Facebook-Seite schreiben sie zumindest: "Wir kommen erst wieder raus, wenn es gut wird." Fans dürfen also gespannt sein.