Die Erkenntnis, dass es immer weniger Insekten in der Natur gibt, scheint sich bei immer mehr Menschen durchzusetzen. Und so hat nun auch der Landesbetrieb Straßenwesen das Pilotprojekt „Grünpflege“ gestartet, bei dem die Grünstreifen an Straßen insektenschonender gemäht werden sollen. Dr. Adél Gyimóthy vom Dezernat Umweltschutz und Landschaftspflege des Landesbetriebs Straßenwesen, Reiner Timmermann, Inhaber der Werksvertretung Timmermann für die Maschinenfabrik Dücker, Harald Benthin, Verkaufsberater von Merzedes Benz, und Frank Hundrieser, Leiter der Straßenmeisterei Bad Freienwalde, stellten das Projekt am Donnerstag vor.
Für das Pilotprojekt, das zwei Jahre dauern soll, wurden nämlich Streifen an den Landesstraßen L33 und L336 ausgewählt, für die die Straßenmeisterei der Kurstadt zuständig ist.

Bis zu 90 Prozent der Insekten verenden

„Wir sind uns unserer Verantwortung beim Thema Umwelt- und Naturschutz sehr bewusst“, macht Adél Gyimóthy deutlich, warum man sich auf Seiten des Landesbetriebes Gedanken über eine schonendere Mahd gemacht. Bei der konventionellen Methode würden 80 bis 90 Prozent der Insekten verletzt oder getötet werden, erklärt Gyimóthy.
Bei Grünstreifen mit einer Länge von 2740 Kilometern entlang der Bundesstraßen und 5680 Kilometern an Landstraßen, für die der Landesbetrieb zuständig ist, kommen da bei zwei Mahten im Jahr enorme Mengen an toten Insekten zusammen. Mit der neuen Methode hofft Gyimóthy, die auch Leiterin des Pilotprojekts ist, diese Quote um mindestens 50 Prozent senken zu können.

Neue Technik soll Insekten retten

Zwar werden die Grünstreifen auch künftig gemäht, was allein schon aus dem Aspekt der Sicherheit entlang von Straßen unumgänglich ist, allerdings kommt dabei ein neuer Mähkopf für den Schlegelmulcher zum Einsatz, den die Firma Dücker entwickelt hat. Das neue Gerät verfüge über einen größeren Spielraum für die Einstellung der Schnitthöhe, die Sogwirkung im Mähkopf sei reduziert worden und Vorbauten am Gerät sorgten dafür, dass Insekten vor dem Mähgerät verscheucht werden, erläutert Reiner Timmermann die Funktionsweise des neuen Mähkopfes, mit dessen Entwicklung erst im Frühjahr begonnen wurde.
Timmermann hofft nun, dass sich in der Testphase die Erwartungen bestätigen und er den neuen Mähkopf seines Unternehmens auch aktiv auf Messen und in Fachzeitschriften bewerben kann.

Zwei Jahre Testphase

Die Testphase ist auf zwei Jahre angelegt. In dieser Zeit werden die Straßenränder, die ausgesucht wurden, in verschiedene Abschnitte eingeteilt. Einige der Abschnitte werden konventionell gemäht, andere mit dem neuen Mähkopf, wieder andere mit weiteren Mahdvarianten.
Genaue faunistische Untersuchungen sollen dann ergeben, wie sich die neue Methode auf die Insektenpopulation auswirkt. Auch für die Mitarbeiter der Straßenmeisterei bedeutet dies erst einmal ein Ausprobieren und Herantasten an den Umgang mit der neuen Technik. „Es wird in der Testphase ein fortlaufender Optimierungsprozess stattfinden“, macht auch Reiner Timmermann deutlich, dass noch ein Stück zu gehen ist, bis zur Marktreife.
„Zu Beginn wird der Aufwand sicher größer sein, weil wir ja sowohl die alte als auch die neue Technik im Einsatz haben. Später wird die Arbeit mit dem neuen Mähkopf aber eher mit weniger Aufwand verbunden sein“, so Frank Hundrieser.

Das Projekt wird nicht nur Freunde finden

Dass nicht jeder ein Freund von der neuen Methode und von nicht komplett abgemähten Grünstreifen sein wird, ist Adél Gyimóthy bewusst. Darauf könne beim Thema Umweltschutz nicht immer Rücksicht genommen werden, macht sie deutlich, dass der Landesbetrieb seine Verantwortung in diesem Bereich sehr ernst nimmt. Sie betont aber auch, dass die Mahd rund um die Leitpfosten weiterhin konventionell sein wird, um auch dem Aspekt der Sicherheit gerecht zu werden.