Mehrere Jahre stand die Gemeinschaftsunterkunft in der Eberswalder Straße in Bad Freienwalde leer. Seit dem 7. September sind in dem Verwaltungsgebäude des ehemaligen Dachziegelwerks nun wieder 40 Flüchtlinge untergebracht – weitere sollen folgen. Dies berichtet Thomas Berendt, Pressesprecher des Landkreises Märkisch-Oderland. Der Kreis ist für die Verteilung Flüchtlinge in seinem Gebiet zuständig. Vor allem Familien wurden in der Eberswalder Straße untergebracht. „Wir haben hier 16 Kinder im Haus, von denen neun die Grund- und die Oberschule besuchen“, berichtet Heimleiter Raik Sander. Problem bei der Unterkunft ist allerdings, dass sie schlecht angeschlossen ist und die Bewohner sich oftmals zu Fuß entlang der Bundesstraße 167 auf den Weg machen, um zum Amt oder zum Einkaufen zu gehen.

Zu Fuß an der Bundesstraße unterwegs

Dies prangert auch Gisela Ziehm an, die einst im Helferkreis Bad Freienwalde engagiert war. „Die Leute müssen oft zu Fuß an der Bundesstraße laufen, wenn sie in die Stadt wollen. Es gibt ja noch nicht mal einen Fußweg von der Unterkunft zur Bushaltestelle. Diese Situation ist untragbar. Es haben sogar schon Autofahrer angehalten und die Fußgänger beschimpft, weil es beinahe zu Unfällen gekommen wäre“, erzählt Gisela Ziehm. „Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die der Landkreis lösen muss und sich nicht auf ehrenamtliche Helfer verlassen kann“, so Ziehm. Zumal ja gar nicht sicher sei, wie ehrenamtliche Helfer abgesichert seien, falls bei so einer Fahrt doch mal etwas passieren sollte.

Schwachpunkt ist Erreichbarkeit der Innenstadt

Um die Situation wissen auch der Landkreis sowie der BBV als Betreiber der Gemeinschaftsunterkunft. „Es ist tatsächlich der Schwachpunkt der Gemeinschaftsunterkunft an der Eberswalder Straße“, erklärt BBV-Geschäftsführerin Daniela Salzmann. Die Unterkunft selbst sei nach dem langen Leerstand hergerichtet worden und entspreche den Mindeststandards, die für Gemeinschaftsunterkünfte festgelegt wurden. Die Problematik der Erreichbarkeit der Innenstadt sei allerdings nicht wegzureden. In einer Buslinie würden noch nicht einmal Kinderwagen mitgenommen, weil es bislang offenbar keinen Bedarf dafür gab und auf dieser Linie Busse eingesetzt würden, in denen Kinderwagen keinen Platz haben. Mit einem Kinderwagen oder kleinen Kindern an der Hand an der B167 unterwegs sein, sei natürlich gefährlich.

Keine schnellen Lösungen in Sicht

„Wir sind auf der Suche nach Lösungen“, erklärt Thomas Berendt, macht aber auch deutlich, dass es keine kurzfristigen Lösungen geben wird. „Wir sind in Gesprächen mit der Barnimer Busgesellschaft (BBG), dass auf der Strecke vielleicht Busse eingesetzt werden, in denen auch Kinderwagen Platz haben“, so Berendt. Allerdings bräuchten solche Änderungen Zeit. Auch ein Weg von der Unterkunft zur Bushaltestelle entstehe nicht von heute auf morgen. „Außerdem ist es eine Bundesstraße. Da dürfen wir als Kreis gar nicht einfach einen Weg bauen“, macht der Pressesprecher des Landkreises deutlich, dass da übergeordnete Stellen zuständig seien.
Eigentlich braucht es schnelle Lösungen. Bislang ist die Gemeinschaftsunterkunft mit 40 Personen besetzt, 70 Plätze sind aber vorhanden. Und Daniela Salzmann rechnet innerhalb der nächsten zwei Wochen mit weiteren Zuweisungen. „Da kommen auch Familien mit Kindergartenkindern“, weiß auch Raik Sander. Kaum vorstellbar, dass diese am Morgen zu Fuß von ihren Eltern in den Kindergarten gebracht und am Mittag wieder abgeholt werden.

Wiederbelebung der Unterkunft war absehbar

Zeit zum Handeln hätte es durchaus gegeben. Denn auch wenn die Gemeinschaftsunterkunft Jahre leer stand, war absehbar, dass wieder Flüchtlinge dort untergebracht werden. In den Jahren 2016 und 2017 habe sich der Landkreis Märkisch Oderland – neben anderen Landkreisen – dagegen gewehrt, Flüchtlinge aufzunehmen. Nicht, weil es keine Bereitschaft dazu gegeben habe, sondern weil ein ordentlicher Bescheid des zuständigen Landesministeriums gefehlt habe, erklärt Berendt. Damit war der Kreis aber nicht von der Pflicht entbunden, Menschen auf der Flucht aufzunehmen. So entstand ein Stau, der nun aufgelöst wird. Und dafür wurde auch die Unterkunft in der Eberswalder Straße reaktiviert.