Es sei nicht vielen Menschen vergönnt, so viele Jahre ihres Lebens gemeinsam zu verbringen, zitierte Gerhard Zemke am Sonnabendnachmittag aus dem Glückwunschschreiben des Brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke. „Aber wir haben es geschafft“, sagte der 91-Jährige mit Blick auf seine Frau Lieselotte (89) und bat die Gäste, erst einmal mit Sekt auf dieses besondere Jubiläum anzustoßen. Glückwünsche waren unter anderem auch von Landrat Gernot Schmidt und Bürgermeister Ralf Lehmann gekommen.
Danach wartete Kaffee und Kuchen auf die Runde der 16 Gäste, wobei die Jüngsten – die beiden Urenkel Kira (7) und Ida (3) angesichts der hochsommerlichen Temperaturen frei bekommen hatten und zu Hause im Planschbecken tollen durften. Gerhard Zemke freute sich auch, dass fünf seiner Geschwister gekommen waren. Nur eine der Schwestern habe nach einem Sturz leider absagen müssen, bedauerte er.
Gefeiert wurde in den Räumen der Stephanus-Werkstätten in der Beethovenstraße und damit in unmittelbarer Nähe des eigenen Häuschens, das der gelernte Maurer gemeinsam mit Verwandten und Kollegen Ende der 1950er-Jahre gebaut hatte. Ursprünglich stammt er aus Groß Krössin an der Persante. Von dem Dorf in Pommern hatte er jetzt eine Zeichnung dabei, in dem das Haus des Großvaters eingezeichnet ist. Doch das steht schon lange nicht mehr, sagte Gerhard Zemke, der Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin in russische Gefangenschaft geriet und erst nach fünf Jahren aus Sibirien zurückkam. Nach Bad Freienwalde, wo eine Tante und inzwischen auch der Rest der Familie lebte. Dank seines Vaters habe er damals den Tipp bekommen, sich bei der Schamotte zu melden. Später arbeitete der Jubilar auch im Rat des Kreises und im Rat der Stadt.
Seine Frau, einziges Kind ihrer Eltern, sei zuletzt Verkäuferin gewesen. Gesehen hätten sie sich das erste Mal bei der Hochzeit einer seiner Schwestern. „Oma hatte mich zum Tischherrn von Lieselotte bestimmt“, erzählte der Jubilar. Aber erst ein Jahr später hätten sie sich wiedergesehen – bei einer Verlobung. „Danach haben wir uns aber häufiger getroffen und endlich richtig kennengelernt.“
Eine Wohnung hätten sie nicht gehabt. „Wir waren bei Lieselottes Oma untergekommen“, berichtete er. Nach dem Hausbau hätten die beiden Kinder Roswitha und Reinhard die Familie komplettiert, zu der heute auch vier Enkel gehören. Und obwohl seine Frau inzwischen Hilfe benötige, so möchte er doch, dass sie zu Hause bleibt.