„Advent heißt warten“, begrüßt Pfarrer Björn Ferch am Sonntag die Zuschauer in der voll besetzten Nikolaikirche. Er und das Publikum warten zwar noch auf „adventus domini“ – die Ankunft des Herrn – am 24. Dezember, Weihnachtsstimmung liegt aber schon jetzt in der Luft. Nicht nur, weil es in der Nacht zuvor geschneit hat, sondern auch, weil das Orchester zum Weihnachtskonzert geladen hat. „Und dieses Konzert zur Adventszeit gehört einfach hierher“, betont Ferch zufrieden.
Dem Brauch gemäß macht der Klangkörper dem Fest der Familie alle Ehre. Nicht nur am Taktstock sind mit Landesmusikdirektor Endrik Salewski und seinem Sohn Florian zwei Generationen vertreten. Auch unter den Musikern sitzen Eltern, Töchter, Söhne, Ehemalige und Nachwuchstalente. Der Chor des Gymnasiums arbeitet diesmal mit Kindern der Fontane-Grundschule zusammen. Ja, das Orchester ist nach wie vor die größte Familie der Stadt.
Die Zuschauer durften sich sowohl über Traditionsstücke wie „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ oder „Sleigh Ride“, als auch über neue Klänge freuen. So brachte das Orchester auf Wunsch des Saxophonisten Finn Goyke erstmals Stücke aus dem Film „Der Polarexpress“ zu Gehör und kleidete dem Publikum bekannte Melodien wie „Ring Christmas Bells“ mit dem Stück „Adventum“ in ein neues Gewand. Während die ersten, besonders festlichen Stücke noch von Anspannung vor wie hinter dem Dirigentenpult geprägt sind, erstrahlt der Glanz der Blechbläser und das Warme der Hölzer von Lied zu Lied stärker und taucht die Kirche in warme Klänge. Kinder sitzen still und schauen gebannt nach vorne. Alte und junge Paare fassen sich an den Händen. Man kann Weihnachten hören.  Dazu gehören volkstümliche Weisen aus Italien, Frankreich und der Ukraine, skandinavische und englische Weihnachtsklänge, Choräle, programmatische Musik und mittelalterliche Intervalle. Die Musiker, seine Dirigenten, der Chor, das Bläserquintett und Solistin Gudrun Anders haben wie immer viel in diesen Nachmittag investiert. Bei all den Vorbereitungen sind sie noch nicht zur Ruhe gekommen, so wie es Pfarrer Ferch den Menschen vor Weihnachten eigentlich wünscht. Das Adventskonzert ist traditionell ihr Geschenk an die Stadt.