Zunächst erregte ein Polizeieinsatz im Dorf Aufsehen. Das war Anfang Dezember. Inzwischen steht fest, dass die Berliner Landeskriminalbeamten tatsächlich im Schloss Reichenow fündig geworden sind. Es geht um Kunstgegenstände, die gemietet, der Mietzins in Höhe von 6500 Euro aber nicht gezahlt und die Gegenstände auch nicht wieder an den Eigentümer - das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin, besser bekannt unter dem Kürzel LAGeSo - zurückgegeben worden sind. Der Wert der Kunst: über 120 000 Euro. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen die Schlossbetreiber: Eingehungsbetrug.
Das LKA hat seine Ermittlungen inzwischen abgeschlossen. Das Verfahren ist jetzt bei der Berliner Staatsanwaltschaft anhängig. Demnach geht es um 38 Gegenstände, wie Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, informierte. Es soll sich vorwiegend um moderne Kunstwerke handeln. Gefunden worden seien sie sowohl im Schloss Reichenow als auch im Nachbardorf Möglin. Dort hatten die Schlosspächter, die als GmbH auftreten, vor dem Pachtvertrag mit den Schloss Reichenow-Eigentümern das Gutshaus gepachtet. Ein Beschuldigter ist in Reichenow Anfang Dezember festgenommen worden. Er soll allerdings wieder auf freiem Fuß sein. Die Staatsanwaltschaft Berlin teilte weiter mit, dass die Ermittlungen andauern würden.
Detlef Laubinger, zuständiger Vermögensverwalter der Brandenburgischen Schlösser GmbH - in deren Eigentum sich Schloss Reichenow befindet - nannte die Situation wenig erfreulich. Er hätte aus der Zeitung von den laufenden Ermittlungen erfahren und würde nun das Gespräch mit den Betreibern suchen. Seit längerem bestünden Unstimmigkeiten mit den Pächtern. Diese würden sich hauptsächlich darauf beziehen, dass Schloss und Parkanlage mittlerweile nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich seien. "Damit sind wir als Brandenburgische Schlösser GmbH allerdings angetreten", sagte Laubinger, "sie öffentlich zu halten." Nachdem die erste Zeit nach Abschluss des Pachtvertrageswie vereinbart und harmonisch verlaufen sei, gestalte sich die Situation inzwischen als schwierig, so Detlef Laubinger. "Das Schloss kann jetzt nur noch selten jemand betreten", so der Vermögensverwalter der Schlösser GmbH. "Das bedauern wir sehr. Das ist überhaupt nicht in unserem Interesse. Wir werden in jedem Fall Gegenmaßnahmen einleiten", kündigte Laubinger an. Die Brandenburgische Schlösser GmbH habe gehofft, dass sich das Reichenower Schloss als zentraler Mittelpunkt entwickeln würde. Anfangs habe dies auch gut funktioniert. "Veranstaltungen haben im und am Schloss stattgefunden", so Laubinger. "Es gab ein gutes Miteinander mit den Reichenowern. Wie es jetzt zu dem Wandel kam, können wir uns nicht erklären."
Erklärungen fehlen auch dem ehrenamtlichen Bürgermeister von Reichenow-Möglin, Wolf-Dieter Hickstein. Die Situation bezüglich des Schlosses sei nicht befriedigend, sagte er zuletzt während der Seniorenweihnachtsfeier. "Anfangs waren die Betreiber den Bürgern gegenüber offen, etliche Veranstaltungen fanden statt. Sie haben gewiss auch Freunde hier wie in Möglin gefunden", so Hickstein. Nach dem Erntefest sei jedoch alles eingeschlafen. "Ich gehe nicht davon aus", führte Hick-stein weiter aus, "dass sich die Situation noch einmal ändern wird." Er räumte ein, persönlich enttäuscht zu sein. "Denn die Betreiber hatten mein Vertrauen." Mittlerweile sei der Kontakt abgebrochen.
Silvia Kostner, Sprecherin des LAGeSo, bestätigte unterdessen, dass die Behörde im Rahmen der sogenannten "Sozialen Künstlerförderung" 14 000 Kunstwerke besitze und diese auch vermietet worden seien. Die Werke stammen hauptsächlich aus der Nachkriegszeit. Etwa 50 Jahre lang sammelte die Behörde - zunächst Auftragsarbeiten für den öffentlichen Raum, später boten weitestgehend unbekannte Künstler gegen eine geringe Gage ihre Werke an - Kunst. Diese sind inzwischen in Berlin-Mariendorf eingelagert.