Robert Lewandowski kennen sie natürlich alle. Doch dass der Fußballer beim FC Bayern München Pole ist, wollte den Drittklässlern der Insel-Grundschule auf die Frage nach bekannten polnischen Persönlichkeiten nicht einfallen. Dabei besuchen die meisten Schüler das Nachbarland regelmäßig: zum Urlaub machen, Tanken und Snacken bei MacDonald's.
"Es wäre schön, wenn die Kinder mehr Kontakte nach Polen aufbauen, immerhin leben sie so nah an der Grenze", sagt Martin Podoll. Um dieses Anliegen voranzutreiben, hat der Lehrer am vergangenen Freitag das PolenMobil und mit ihm die Projektkoordinatorin Susanne Albani und die Sprachmittlerin Joanna Lipniewicz an die Inselgrundschule geholt.
"Czesc! Nazywam sie Joanna", stellt sich Joanna Lipniewicz in ihrer Muttersprache vor. Ihre polnischen Eltern haben sich vor ihrer Geburt in Göttingen niedergelassen, heute lebt die Sprachmittlerin in Berlin. Obwohl die Schüler kein Wort Polnisch verstehen, können sie die Aufenthaltsorte der jungen Frau auf einer auf dem Boden des Klassenzimmers liegenden Karte nachverfolgen. "Du wohnst in Berlin", errät ein Junge, der sich kurze Zeit später als Kenner fast aller Nachbarländer Polens entpuppt.
Mit einem Einblick in die polnische Geografie, Sprache und Kultur wolle das PolenMobil Interesse für das Nachbarland wecken, sagt Susanne Albani. Die Absolventin der Viadrina-Universität Frankfurt (Oder) koordiniert das Projekt am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt. Vor einem Jahr wurde es ins Leben gerufen, seitdem haben die zwei Fahrzeuge, mit denen ein Stück polnische Landeskunde an deutsche Schulen gebracht wird, tausende Kilometer hinter sich gebracht. "Als nächstes sind wir in Sachsen unterwegs, im Januar kehren wir dann nach Brandenburg zurück", erzählt die junge Frau und ergänzt: "Schulen können sich auch noch anmelden."
Im Klassenraum der Insel Grundschule herrscht jetzt Gewusel. Während ihre Mitschüler in einem Stuhlkreis um sie herum sitzen, muss Mathilde einen von ihnen auf Polnisch fragen, wie es ihm geht. "Jako tako", "geht so', lautet die Antwort eines blonden Jungen, woraufhin sich alle Kinder erheben, um sich mit vergnügten Rufen einen anderen Platz zu suchen. Wer zu langsam ist, bekommt keinen Stuhl ab und muss die nächste Frage auf Polnisch stellen.
"Gerade die spielerischen Elemente, das unmittelbare Erleben und Begreifen, kommen bei den Schülern gut an", weiß Lehrer Martin Podoll. Sein Interesse für die deutsch-polnische Zusammenarbeit ließ ihn bei einer Recherche im Internet auf das PolenMobil aufmerksam werden. "Leider ist Polnisch als Fremdsprache an den Schulen der Grenzregion nicht verpflichtend", bedauert der Lehrer für Sachkunde, Sport und Musik. Dabei sei das PolenMobil gerade hier, aber auch in Nordrhein-Westfalen und Hessen besonders nachgefragt, betont Susanne Albani.
Die beiden dritten Klassen, die an diesem Tag zwei Unterrichtsstunden lang viel Neues über das so nahe und doch ferne Nachbarland erfahren, wissen danach nicht nur, was es mit den Steinböcken aus Posen auf sich hat, auch die Verabschiedung klappt auf Anhieb. "Czesc!", rufen die Schüler zum Abschluss im Chor. Für "Hallo' und "Tschüss' braucht es im Polnischen nur ein Wort.