Sie konnten ihre Einwände gegen die Erweiterung der bereits bestehenden Anlage um 50 000 Mastplätze auf dann vier Ställe mit einer Kapazität von 200 000 Masthähnchen, die dort in knapp 30 Tagen zur Schlachtreife gelangen, vorbringen. Die Genehmigungsverfahrensstelle des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) hatte die bereits schriftlich vorgebrachten Bedenken gesammelt und zu Schwerpunkten zusammen gefasst, die nacheinander behandelt wurden.
Dazu gehörten genehmigungs- und planungsrechtliche Bedenken, Argumente, die den Brandschutz, den Betrieb der Anlage oder den Emissions- und Immissionsschutz betrafen. "Insgesamt gab es 47 Einwendungen", informierte die Leiterin der Versammlung, Kerstin Tschiedel vom Landesumweltamt. Davon Gebrauch, diese auch mündlich während des Erörterungstermins am Dienstag im Saal des Amtes Barnim-Oderbruch vorzubringen, machten unter anderem Axel Persiel aus Altwriezen, Peter und Sabine Rossa aus Altmädewitz und Udo Schagen aus Altwustrow. Ebenfalls an der Sitzung teil nahmen Almut Undisz vom Theater am Rand, Helga Scholz, Ortsvorsteherin von Mädewitz, und Andreas Scholz. Daneben nahmen an dem Termin, der sich bis in den Nachmittag zog, die verschiedenen beteiligten Behörden des Landkreises und des Amtes Barnim-Oderbruch teil.
Überraschend teilte Stephan Böhme, Anlagen- und Umweltüberwachung Region Ost 1 beim LUGV, mit, dass seine Behörde in Sachen Imissions- und Emissionsschutz sowohl, was die Luftschadstoffe als auch die Gerüche und die Keime betrifft, Nachforderungen habe. In diesem Zusammenhang wies der studierte Mediziner Udo Schagen auf die Gefahr von multiresistenten Keimen hin, die mit dem Staub nach außen gelangen könnten. Problematisch sei in diesem Zusammenhang, wie Kerstin Tschiedel ausführte, die fehlende gesetzliche Grundlage. "Es gibt keine Richtlinie für Keime."
Die von Axel Persiel und Peter Rossa unterstellte "Salami-Taktik", nach der der Betreiber Stück für Stück die Anlage erweitert, um Emissionsschutzgrenzen zu unterschreiten, wies Kerstin Tschiedel zurück. "Wir prüfen wie im ersten Verfahren." Darüber hinaus brachten der Altmädewitzer und der Altwriezener ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck, warum die von Christian Leupelt in Altwriezen geplante Anlage mit 72 000 Tieren abgelehnt wurde, während nun diese Anlage mit 50 000 Tieren anscheinend kein Problem darstellt. "Bei Leupelt hieß es, die Vorbelastung durch die bestehenden Anlagen von Schulz sei zu hoch", zitierte Axel Persiel aus den Unterlagen zum damaligen Verfahren. Denn neben den drei Hühnerställen in Neumädewitz betreibt Schulz in Altmädewitz zwei weitere Entenmastanlagen.
Rechtsanwalt Helmar Hentschke, der Hans-Joachim Schulz auf dem Erörterungstermin vertrat, führte aus, dass das irrelevant im Bezug auf die Vorbelastung sei. "Dieser Argumentation folgen wir nicht vollständig", entgegnete darauf Stephan Böhme vom LUGV. Was genau seine Behörde jedoch fordert, dazu äußerte er sich am Dienstag nicht. "Hier gibt es weiteren Diskussionsbedarf", schlussfolgerte Kerstin Tschiedel.
Weiteren vorgebrachten Argumenten wie zum Beispiel dem Thema Brandschutz nahm Helmar Hentschke den Wind aus den Segeln. Es gebe keine besonderen Anforderungen an die örtliche Feuerwehr. "Es steht auch in keinem Gesetz, dass die Tiere im Brandfall evakuiert werden müssen", sagte der Fachanwalt. Der sogenannte Sprühkühlnebel in den Ställen würde die Rettung der Tiere im Brandfall gewährleisten. Zudem seien von vornherein wenig brennbare Materialien verbaut. Auch liege das verspätet eingereichte Brandschutzkonzept inzwischen vor. Zur schriftlich vorgebrachten Einwendung, die Massentierhaltung sei nicht artgerecht, sagte Hentschke, alle Anforderungen des Tierschutzgesetzes seien erfüllt.
Sorgen bereitete zudem einigen Bürgern die latente Hochwassergefahr im Oderbruch. "Was passiert dann mit den Tieren?", wollte Peter Rossa wissen. Dazu ließ Barbara Menzel von der Unteren Wasserbehörde wissen, man habe Wasserrisikopläne erstellt, denen zufolge das Gebiet - statistisch gesehen- nur alle 200 Jahre überflutet werden würde. Weiterhin wurde von Seiten des Antragsstellers eingewandt, es handele sich bei dem Anlagenstandort um einen Risikobereich, nicht aber um einen Überflutungsstandort. Eine Evakuierung würde nur die schlachtreifen Hähnchen betreffen, die Ernährung der Küken zum Beispiel sei dadurch, dass der eigene Betrieb das Futter liefert, sichergestellt.
Neben dem vierten Stall hat Hans-Joachim Schulz auch den Neubau eines Futtersilo, einer Trocknungshalle, eines Sammlungsbehälters für Reinigungswasser und die Asphaltierung des letzten Teils der Betriebsstraße beantragt.