Es ist nicht nur eine Ausstellung zur Landwirtschaft, die am Sonntag im Oderbruch-Museum eröffnet wurde, sondern es sind gleich mehrere. Im Schloss und auf dem Berg-Schmidt-Hof. Neu ist auch nicht wirklich alles, aber vielleicht schon Bekanntes ist mit Unbekanntem eindrucksvoll arrangiert und fortgeführt.
Der Kipppflug, Baujahr um 1900, am Eingang des Schlossparks ist natürlich alt. Aber auch neu. Denn: Im Vorjahr zur Eröffnung der Jahresausstellung zum Thema „Wasser“ stand er da noch nicht. Dafür aber das Mähsammelboot aus der Mitte der 1970er-Jahre nur ein paar Schritte weiter. Das wurde zur Pflege des Gewässersystems im Oderbruch eingesetzt – zur Krautung der Gräben. Ohne die Trockenlegung der Region und die bis heute anhaltende Wasserregulierung wäre Landwirtschaft hier gar nicht möglich, würde vermutlich auch das Schloss Altranft gar nicht stehen. Auf solche Zusammenhänge braucht man Einheimische und Gäste wohl nicht zu stoßen. Oder doch?
Lars Fischer vom Programmbüro jedenfalls ging darauf in seiner Begrüßung ein. Eigentlich hatte diese Kenneth Anders übernehmen wollen, aber er musste sich erkrankt entschuldigen lassen. Landrat Gernot Schmidt (SPD) bezeichnete die Landwirtschaft nach dem Handwerk und dem Wasser als weiteres wichtiges Thema für das Museum. Er wunderte sich allerdings darüber, dass der Heimatbegriff gerade neu entdeckt werde. „Da frage ich mich, was wir in den vergangenen 28 Jahren gemacht haben“, sagte er. Die Landwirtschaft sei ein zentrales Thema in Märkisch-Oderland, das aber auch zu Konflikten führt. Auf der einen Seite gebe es eine verklärte Sicht, auf der anderen habe die Industrialisierung in den ländlichen Räumen Einzug gehalten, benannte er unter anderem eines der Spannungsfelder. Es sei wichtig, den Beruf des Landwirts aufzuwerten und den Menschen, die im ländlichen Raum wirken, arbeiten und leben, wieder mehr Achtung entgegenzubringen.
Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, dankte den Ausstellungsmachern im Oderbruch-Museum. Sie verwies auf die vier Regionen, die die Stiftung für den Transformationsprozess ausgewählt habe. Ziel dieser Umwandlung sei das Halten und in die Zukunftführen von Museen. Das in Altranft sei eigentlich schon geschlossen gewesen, erinnerte sie. Hier passiere aber etwas, mit Geduld und Aufmerksamkeit. „Die Menschen machen mit, sie erzählen“, sagte Hortensia Völckers und fügte hinzu: „Ich bin gespannt auf die nächsten zwei Jahre.“ Und Lars Fischer räumte ein: „Uns geht es heute besser. Wir haben uns als Team gefunden.“ Die Selbstbeschreibung einer Region nehme Gestalt an. Die Arbeit mache zunehmend Freude. „Wir bekommen Wertschätzung“, erklärte er. So habe das Oderbruch-Museum gerade den Berlin-Brandenburg-Preis 2018 erhalten. Christian Müller-Lorenz vom Kulturland Brandenburg und Uwe Lübking vom Deutschen Städte- und Gemeindebund unter den Gästen nennend, sagte Fischer: „Wir sind dabei, etwas Luft zu holen, schauen aber auch, wie es nach dem Transformationsprozess weitergehen kann.“ Lübking hob gegenüber dieser Zeitung übrigens hervor, dass er auch Stiftungsrat der Kulturstiftung und großer Befürworter des Transformationsprozesses ist.
Während ein Teil der Besucher im Schloss blieb, um zum Beispiel neben den Hochwasserfilmen aus der Vorjahresausstellung zwei Dokumentationen von Antje Schiffers zu sehen, die für ihr Projekt „Ich bin gern Bauer und möchte es auch gerne bleiben“ mit Landwirten ein ungewöhnliches Tauschgeschäft eingeht, machte sich eine andere Gruppe auf zu den beiden Ausstellungen auf dem Berg-Schmidt-Hof. Aus den Gesprächen war deutlich herauszuhören, dass Gäste noch einmal kommen wollen, um dann mit mehr Ruhe nicht nur die erneuerten Inhalte der Werkbänke zu erkunden.