In der Stadtverwaltung Wriezen klingeln die Telefone Sturm. Denn wenn die Bürger schon so freundlich sind und das Straßenlaub vor ihrer Haustür wegfegen, wäre die Abholung von Seiten der Stadt doch wohl nicht zu viel verlangt, betonen die Anrufer. Solche und andere Äußerungen hört Fachbereichsleiter Karsten Ilm dieser Tage am laufenden Band, berichtet er im Gosult-Ausschuss. Und wiederholt gebetsmühlenartig den immer gleichen Satz: "Die Laubentsorgung ist eine zusätzliche Leistung von Seiten der Stadt, die nur erbracht wird, wenn Kapazitäten frei sind. Und das ist fast nie der Fall. Wie in der Straßenreinigungssatzung geregelt, ist jeder Bürger selbst für die Laub-entsorgung zuständig."
Offensichtlich kennt nicht jeder Bürger die ihm von der Stadt zugeschriebenen Verpflichtungen zur Straßenreinigung, die nicht erst mit dem Winter und der Schneeräumung zu beachten sind. Die Straßenreinigungssatzung, die auch im Internet einsehbar ist, regelt eindeutig, in welchem Umfang Laub und Unkraut, im Winter Schnee, von den Anliegern zu beseitigen sind. "Fahrbahnen und Gehwege sind in einem 14-tägigen Turnus zu reinigen", heißt es darin. Dabei müssen nicht nur das eigene Grundstück und der Gehweg in sauberem Zustand gehalten werden, auch die Fahrbahn gehört für den Großteil der Anlieger mindestens zur Hälfte zum Reinigungsgebiet dazu. Für die gesamte Straßenbreite ist derjenige verantwortlich, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite keinen Nachbarn hat. Im Straßenverzeichnis sind Anwohner von 103 der insgesamt 121 Straßen der Oderbruchstadt und ihrer Ortsteile auch zur Fahrbahnreinigung verpflichtet. Bei 18 Straßen - vorrangig solche, die in die Zuständigkeit des Kreises oder gar des Landes gehören - muss lediglich der Gehweg vor dem eigenen Grundstück beräumt werden.
Doch wohin mit den Laubbergen, wenn das Grundstück für einen Komposthaufen zu klein ist oder das Prozedere aus anderen Gründen nicht infrage kommt? Das Laub aufladen und illegal entsorgen, vielleicht sogar einfach auf öffentlichen Flächen lagern, das sei jedenfalls verboten, stellt Karsten Ilm unmissverständlich klar. Wer dabei erwischt wird oder seiner Reinigungspflicht erst gar nicht nachkommt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbußen von fünf bis 100 Euro geahndet wird.
"Alles, was nicht im eigenen Garten kompostiert werden kann, gehört in Laubsäcke", informiert Peggy Thräne vom kreiseigenen Entsorgungsbetrieb. "Ast- und Strauchwerk ist mit einer gekennzeichneten Banderole zu sichern." Ganz wichtig sei zudem, dass die Laubsäcke ein Gewicht von 20 Kilogramm nicht überschreiten und auch die sperrigen Äste nicht mehr als eine Kantenlänge von 1,40 Meter haben dürfen. Gut sichtbar vor dem eigenen Grundstück aufgestellt, nehmen sich dann die Männer der ALBA Südost-Brandenburg GmbH den Herbsthinterlassenschaften an.
"Die Laubsäcke werden von uns in Wriezen und den Ortsteilen jeden Freitag abgeholt. Das erfolgt allerdings nur auf Abruf und in den käuflich erworbenen und speziell dafür vorgesehenen Laubsäcken", erklärt ALBA-Disponent Reinhard Pfeil. "Laub und Gartenabfälle, die in anderen Säcken, Tüten oder in anderer Form gelagert werden, können nicht abgeholt werden. Bisher gab es in Wriezen aber damit noch keine Probleme."
Zu haben sind die Laubsäcke und speziell gekennzeichneten Banderolen im Wriezener Frisch-Backshop in der Freienwalder Straße. Momentan der einzigen Anlaufstelle in Wriezen. "Wir würden uns wünschen, wenn weitere Ausgabestellen dazukommen", hofft Peggy Thräne. Ein Müllsack kostet 1,49 Euro, eine Banderole ist für 1,74 Euro zu bekommen. Die Abholung ist inbegriffen. Ein Rabatt für Gartenbesitzer mit viel Laub kann nicht angeboten werden, so Peggy Thräne.