Überall am Haus wird gearbeitet. Das Dach deckt eine Wriezener Firma mit Biberschwänzen, innen wird der Boden verlegt. Durch eine Fensteröffnung fliegt schaufelweise Erde und landet auf einem Haufen. Ortwin Jäger, Vorsitzender des Kurmarkvereins, der sich um die Sanierung des 1816/17 erbauten Lehmhauses kümmert, ist Urheber des Erdhaufens. Er hebt den Boden in einem Raum des Gebäudes aus, damit Robert Florenkowsky, selbstständiger Baudienstleister, mit dem Boden weitermachen kann. Vor der Tür ist dieser gerade dabei, die handgezogenen Mauerklinker in passende Formen zu sägen.
Im Moment läuft alles wie am Schnürchen. Schließlich ist es gerade trocken. Durch starken Regen war der Lehm teilweise wieder abgespült worden. Dass der Verein mit dem Zeitplan in Verzug ist, liegt auch an folgender Entdeckung: Das Haus ist nicht, wie angenommen, in Stampftechnik erbaut worden, sondern in Wellertechnik. Die ist aufwendiger, weil sie längere Trocknungszeiten brauche, erklärt Ortwin Jäger.
Carola Schreiber, die eine Lehmbaufirma in Berlin betreibt, deutet auf die Wände, an denen sich waagerechte Schichten abzeichnen. Sie erklärt, dass der Lehm in sechs sogenannten Sätzen aufgebracht wurde. Die Wellertechnik sei in Sachsen sehr verbreitet, hier in der Region sei dieses Haus jedoch das einzige seiner Art, erklärt die Fachfrau.
Durch die Entdeckung der Wellertechnik sind nicht nur Aufwand und Kosten gestiegen. "Das Lehmhaus hat dadurch beim Landesdenkmalamt an Bedeutung gewonnen", erzählt Ortwin Jäger. Dass ausgerechnet in Beerbaum ein solches Gebäude steht, könnte mit der Auftraggeberin in Zusammenhang stehen, vermutet Otto Schack vom Kurmarkverein. Sophie Juliane Friederike Gräfin Dönhoff hat Anfang des 19. Jahrhunderts das Schloss in Beerbaum gebaut. Für Landarbeiter ließ sie das Lehmhaus bauen. Für damalige Verhältnisse war das revolutionär, denn zuvor schliefen die Arbeiter bei den Tieren. "Das war ein Riesenfortschritt: Raus aus den Kuhställen, raus aus den Schweineställen!", betont Otto Schack. Die Wärme, die früher von den Tieren kam, wurde im Lehmhaus durch eine schwarze Küche in der Mitte des Hauses erzeugt. Rechts und links davon liegt jeweils ein Zimmer mit einer kleinen Kammer. Zwei Landarbeiterfamilien fanden in dem Haus Platz. Vielleicht habe die Gräfin Baumeister aus ihrer ostpreußischen Heimat nach Beerbaum beordert, spekuliert Schack.
Oben an den Wänden sind mehrere Schichten von Ornamenten in Schablonentechnik zu entdecken. Für jeden Raum wird eines dieser historischen Muster ausgewählt. Wenn alles klappt, soll im Frühjahr schon eine Ausstellung im Lehmhaus eröffnet werden, die über das Gebäude und die Gräfin Dönhoff informiert. Ihrem Wirken ist es zu verdanken, das Beerbaum auf Initiative des Frauenpolitischen Rates des Landes Brandenburg zum "Frauenort" ernannt wurde.
Trotz der Herausforderungen sei der Projektplan bisher eingehalten worden, erzählt Michael Busch, Gemeindevertreter in Heckelberg-Brunow. 105000 Euro sind dem Verein über das Leader-Programm des Landesministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft bewilligt worden. Der Eigenanteil von 25 Prozent wird mithilfe von Spenden gestemmt. 10000 Euro kommen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Unter anderem engagieren sich zudem der Landkreis und die Sparkasse. Er sei optimistisch, dass das Haus bis Ende des Jahres fertig wird, sagt Busch.