"Die Verantwortung für uns Schulleiter wiegt schwer", sagt die Mittvierzigerin. Den Kollegen gegenüber und in Bezug auf die Bildung der Kinder. Denn es ginge nun nicht mehr nur darum, die Schüler zu Hause zu beschäftigen, sondern auch um Wissensvermittlung. Sonst werden die Lücken im neuen Schuljahr zu groß. Und dass die Ferien verschoben werden könnten, schließt Andrea Klinger – mit Verweis auf die Aussagen von Bildungsministerin Britta Ernst – aus.

Auf den Familien lastet viel Druck

Die aktuelle Situation stellt dabei besondere Anforderungen an die Pädagogen, die Schüler und ihre Familien. Dabei sind sich die Lehrkräfte sehr wohl bewusst, wie viel Druck derzeit auf den Familien lastet. "Ich finde es bewundernswert, wie Eltern und Kinder die Situation meistern." Andrea Klinger unterscheidet seit der Schulschließung am 18. März zwei Phasen: Die vor Ostern und die nun begonnene.
Ab heute können auch Kinder, bei denen nur ein Elternteil als "systemrelevant" eingestuft ist, Schule und Kita wieder besuchen. Wie viele das genau sein werden, weiß die Schulleiterin allerdings nicht. Bisher wurden drei bis sieben ihrer sonst 155 Schüler betreut. Nun könnten es 20 werden. "Deshalb ist auch nicht ganz klar, wie viele Räume benötigt werden", sagt Andrea Klinger.
Jeweils zehn Kinder sollen in eine Lerngruppe kommen. So sind auch die ersten Räume vorbereitet: An einem Tisch steht nur noch ein Stuhl, rot-weiße Markierungen weisen auf den einzuhaltenden Abstand hin. 1,50 Meter muss der betragen – egal ob im Klassenraum oder auf dem Schulhof. "Die Kinder müssen zudem die Schule einzeln betreten und sich unverzüglich die Hände waschen", zählt Andrea Klinger weitere Maßnahmen auf. Zudem werden die Treppenhäuser präpariert, damit sich die Schüler nicht auf zu engem Raum begegnen, das Schulgebäude wird jeden Tag sorgfältig gereinigt.

Öffnung erfolgt sukzessive

Mit der schrittweisen Öffnung wird es heute auch eine erste Dienstberatung mit den Kollegen geben. "Natürlich auch unter Einhaltung der Abstandregelungen." Das Lehrerzimmer ist also vorerst ebenfalls tabu. Für die ab 4. Mai vorgesehenen sogenannten Präsenzangebote plagen Andrea Klinger schon jetzt Personal- und Planungssorgen.
Denn die Kinder werden dann in Gruppen eingeteilt und der Unterricht in Blöcken stattfinden. Mit versetzten Pausenzeiten und unter Berücksichtigung der Buszeiten. Sportunterricht in der Turnhalle wird es gar nicht geben, auch die Frühstückszeiten sind versetzt. Um Ansammlungen zu vermeiden, wird dann die Schule ab 7.15 Uhr geöffnet sein, damit jeder Grundschüler einzeln eintreten kann.
Spannend bleibt für viele Elternhäuser immer noch die Frage, ob ihr Kind auch dazu gehört. Schon jetzt hat die Pädagogin, die derzeit Englisch und Mathematik unterrichtet, von einigen Schülern leider noch gar nicht wieder gehört. Andere wiederum melden sich täglich per Mail, schicken ihre Aufgaben. Einige auch als gesammelte Werke.
Jedem gibt sie eine persönliche Rückmeldung und schreibt aufmunternde Worte. Das wurde möglich, weil alle Lehrkräfte nun eine dienstliche E-Mail bekamen und es eine Webcloud gibt, in der Lerninhalte heruntergeladen werden können. "Diesbezüglich sind wir kleinen Schulen die absoluten Gewinner", gewinnt Andrea Klinger der Situation etwas Gutes ab.

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