Während Leonie Schölzel (BVB/Freie Wähler) und Lars Günther (AfD) als politische Newcomer frischen Wind versprechen, werben Politik-Profis Jutta Lieske (SPD) und der amtierende Bürgermeister Ralf Lehmann, der von der CDU unterstützt wird, mit ihren Erfahrungen. Bei der von Pfarrer Björn Ferch moderierten Podiumsdiskussion waren die mehr als 100 Besucher aufgerufen, Fragen zu stellen.
"Es gibt in Bad Freienwalde einen Bedarf an Kita-Plätzen. Wie wollen Sie neue Kita-Plätze schaffen", wollte Steffi Ross, Stadtverordnete der Linken, von Leonie Schölzel wissen. "Es gibt Prognosen, wonach die Bevölkerung zunimmt. Man müsste mit der WoBaGe sprechen, ob es ein geeignetes leerstehendes Objekt gibt", erklärte sie.
Der Speckgürtel erfahre einen extremen Zuzug, sagte Lars Günther. Die SPD-geführte Landesregierung, wandte er sich an Jutta Lieske, habe verschlafen, die Infrastruktur zu schaffen. Noch verspüre die Region um Bad Freienwalde einen Abwärtstrend. Sollte sich dieser umkehren, müsse man jetzt planen und Kapazitäten schaffen. "Ich wollte meine Kinder in eine andere Kita ummelden und habe keinen Platz gefunden", meldete sich Henriette Mundt aus Altranft zu Wort. "Die Kitas sind voll, die Eltern können nicht auswählen", bestätigte Jutta Lieske. Wenn im Speckgürtel Kitas fehlen, sei dies Aufgabe der Gemeinden und nicht des Landes spielte sie den Ball zurück.
"Wir haben 772 Kita-Plätze", sagte Ralf Lehmann. Sie seien zu 92 Prozent ausgelastet, durchschnittlich 50 Plätze jährlich seien frei. Die Bevölkerung in der Kurstadt nehme besonders bei den Null- bis Dreijährigen ab. Die Stadt werde die Kitas Altranft und Schiffmühle ausbauen. In Altranft werde die Kapazität von 33 auf 50 erhöht.
Veronika Dulitz brachte unbeabsichtigt einen Stein ins Rollen. Sie wollte nur wissen, warum Kinder von Zuzüglern aus dem europäischen Ausland keinen Kita-Platz bekommen. Es gebe Einrichtungen mit freien Plätzen wie in Bralitz, wo auch die Flüchtlingskinder betreut werden, sagte Ralf Lehmann. Es sei wichtig, dass für diese Kinder Kita-Plätze vorhanden seien, denn dies sei eine gute Möglichkeit der Integration , betonte Leonie Schölzel.
"Wir sollten die Kinder reintegrationsfähig halten, damit sie in ihre Heimatländer zurückkehren können", widersprach Lars Günther und betonte: "Die Heimatländer brauchen sie wie wir unseren eigenen Nachwuchs." Auch diese Kinder hätten Anspruch auf einen Kita-Platz konterte Jutta Lieske. "Sie brauchen die Integration und unsere deutschen Kinder lernen dabei etwas", betonte sie.
Jörg Übel fragte, wie die Kandidaten die Wirtschaft ankurbeln wollen. Lehmann berichtete von dem Versuch, über die Immobilienmesse Expo-Real in München einen Hotelbetreiber zu finden. "Die große Nachfrage blieb aus", sagte er. Die Stadt sollte sich besser vermarkten, so dass die Gaststätten ausgelastet seien, forderte Leonie Schölzel. Günther schlug vor, Zuzug über Senioren zu generieren. Ein Streichelzoo, eine Kletterwand oder ein Zeltplatz nördlich des Kurviertels könnten Gäste locken. In Bad Freienwalde werde sich kein großer Industriebetrieb ansiedeln, die Stadt sei zu weit von der Autobahn weg, sagte Jutta Lieske. Wirtschaftsfaktor sei der Tourismus, was an den vielen Radfahrern zu erkennen sei. Die Stadt müsse aber mehr ins Umland ausstrahlen.