Autoreifen, ein alter Sessel und Farbeimer mit inzwischen eingetrocknetem Inhalt vermischen sich in einem wilden Durcheinander mit Lumpen, die einmal als neueste Mode getragen wurden, mit Haushaltsabfällen und Regaleinzelteilen. Als groteske Garnitur flattert das Herbstlaub langsam auf den inzwischen fast zwei Meter hohen Haufen. Ein Berg der Schande, die Verursacher sucht man vergebens.
Illegale Müllablagerung ist ein zunehmendes Problem in der Oderbruchstadt Wriezen. Darauf hat in einer der jüngsten Ausschusssitzungen auch Karsten Ilm, Fachbereichsleiter bau- und ordnungsbehördliche Verwaltung der Stadt, hingewiesen. Wenige Stunden nachdem die Männer des Bauhofes eine der Dreckecken an den Industriebrachen unweit des Hafens beräumt hatten, lagerten dort erneut Unmengen an Linoleum, Teppichen und Schubladen aus ausgemusterten Schränken. "Wir werden von Seiten des Ordnungsamtes diese Müllablagerungen massiv verfolgen und wenn wir die Verursacher erwischen, dann auch alle Möglichkeiten der Verfolgung ergreifen", kündigte der sichtlich verärgerte Bauamtsleiter an. Und das koste richtig, ergänzte er.
Dass die illegalen Müllmänner am helllichten Tag zuschlagen und offenbar jede Scheu für ihre Taten verloren haben, sei dreist, urteilten auch die Mitglieder des Gosult-Ausschusses. Wie ihr Verhalten zu begründen ist, weiß niemand genau. Faulheit, Unwissenheit oder ganz einfach kriminelle Energie - die Spanne der vermeintlichen Gründe reicht weit und doch sind sie nicht hinreichend. Denn: Müllberge aus Haushaltsauflösungen oder nach Renovierungen werden kostenlos abgeholt. Um den Übeltätern das Handwerk zu legen, rufen die Gosult-Abgeordneten deshalb die Öffentlichkeit auf, genau hinzusehen und wenn sie diese auf frischer Tat ertappen, auch zu melden. Mit Anschwärzen habe das nichts zu tun, unterstrich der Bauamtsleiter, denn die unnötige Räumung öffentlicher Flächen kosteten die Steuerzahler oder besser die Wriezener, eine ganze Stange Geld.
Wie die Wriezener ihren Müll loswerden, ohne ihn illegal in versteckte Ecken abzukippen und damit Gefahr laufen, zu einer Geldstrafe verdonnert zu werden, darüber informiert Peggy Thräne vom kreiseigenen Entsorgungsbetrieb am Abfallberatungstelefon. Hier berät sie Menschen aus dem gesamten Landkreis, die die unterschiedlichen Abfallarten einer umweltgerechten Entsorgung zuführen wollen. Denn Müll ist nicht gleich Müll. "Sperrmüll, das sind zum Beispiel große Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, Haushalts- und Elektrogeräte sowie Kleinschrott, der in Haus und Garten angefallen ist. Sie können dreimal im Jahr kostenlos abgeholt werden", erklärt Peggy Thräne. Der Antrag ist mittels der Sperrmüllkarte im Abfallkalender oder online herunterzuladen und an den Entsorgungsbetrieb, in Wriezen die Alba Südost-Brandenburg GmbH, zu senden. "Wichtig ist zu beachten, dass auf der Karte genau angegeben wird, was abgeholt werden soll, damit der Entsorgungsbetrieb seine Touren planen und ausreichend Platzkapazitäten hat", erklärt die Abfallberaterin. Und noch etwas gibt es zu beachten: Bis 6 Uhr morgens am Abholtag muss der Sperrmüll bereitgestellt werden. "Wem dafür am frühen Morgen keine Zeit bleibt, der kann den Müll auch am Abend vorher bereitstellen. Aber auf keinen Fall früher, da es sonst sein kann, dass der Müllberg wächst, weil andere ihre ausrangierten Möbel dazustellen", warnt Peggy Thräne. Nach dem Motto "Wo schon etwas ist, da kann auch etwas dazu" sollte allerdings niemand verfahren. Im Zweifelsfall nämlich bleibt der nicht-angemeldete Müll stehen. Die Verantwortung trägt der Sperrmülleigentümer, selbst wenn es gar nicht seine Gegenstände sind, die unabsichtlich auf seinem Haufen lagern. Abgegeben darf überdies nur das werden, was eine Länge von zwei Metern, in Breite und Höhe ein Maß von 1,50 Meter und ein Gewicht von 50 Kilogramm nicht überschreitet.
Ist die Oma überraschend verstorben und der Haushalt samt Geschirr, Bekleidung und Möbeln muss aufgelöst werden, dann fällt das nicht unter den Begriff Sperrmüll. Abfallberaterin Peggy Thräne rät in diesen Fällen zu einem Abfallcontainer. Die Kosten variieren dabei je nach Größe und hängen vom Anbieter ab. "Es empfiehlt sich drei Angebote einzuholen und sich von den Firmen beraten zu lassen, wenn man unsicher ist, welche Containergröße benötigt wird", so Peggy Thräne.
Und was passiert mit Farbresten, wenn die Wohnung nach einem Neuanstrich in neuem Glanz erstrahlt? "Handelt es sich um die typische Dispersionsfarbe für die Wand, kann sie, wenn sie vollständig ausgetrocknet ist, über den Hausmüll entsorgt werden. Der Eimer gehört in den gelben Sack", gibt die Abfallberaterin den entscheidenden Tipp. Eingetrocknete Pinsel und Rollen können ebenfalls in den Hausmüll. Noch flüssige Farben oder auch Lacke müssen gesondert entsorgt werden. Für diese Zwecke steht zweimal im Jahr das Schadstoffmobil zur Verfügung.
Weitere Informationen im Internet unter www.maerkisch-oderland.de/abfallentsorgung/index.html oder am Telefon unter 03346 882733