Authentisches Zeugnis

"In jenem Haus in Schiffmühle lebte und starb Louis Henri Fontane (1796-1867), der Vater des Schriftstellers. Es ist eines der wenigen authentischen Zeugnisse aus dem Leben Theodor Fontanes (1819-1898). Auch die Stadt Bad Freienwalde leistete einen nicht geringen Beitrag, auch finanziell. Am 17. Mai 2019 war die feierliche Eröffnung mit hochrangigen Gästen. Und nun?", so Otto, Denk und Panecke. Sie sehen die Bad Freienwalde Tourismus GmbH in der Pflicht.
"Wir stehen in den Startlöchern", entgegnete Ilka Krüger, Geschäftsführerin der Bad Freienwalde Tourismus GmbH, und betonte: "Wir haben mithilfe von Kulturland Brandenburg etwas geschaffen und einen Plan ausgearbeitet, das Haus zu entwickeln." Im Februar sei die Bad Freienwalde Tourismus GmbH mit dem Fontanehaus bei der Kubinale, der Plattform für kulturelle Bildung Brandenburg, als eines von fünf Projekten ausgezeichnet worden. 100 Projekte standen den Juroren zur Auswahl. Das Fontanehaus erlebe große Aufmerksamkeit, die durch die Schließung gefährdet sei, so Ilka Krüger. "Wir hatten 4500 Gäste zwischen Mai und Oktober vergangenen Jahres", so die Geschäftsführerin. In diesem Jahr sei der Weg zum Fontanehaus bei Google-Maps 6000 mal angeklickt worden. Um das Museum an Wochenenden mit Stundenkräften offen zu halten und Bildungsmaterial für Schüler zu beschaffen benötige sie etwa 20 000 Euro im Jahr. Grund für die Schließung sei, dass die Stadtverwaltung den Betreibervertrag mit ihrer GmbH nicht unterzeichnen wolle, sagte Ilka Krüger. Das Haus gehöre der Stadt, die Tourismus GmbH lebe von Zuschüssen über deren Verbleib sie Rechenschaft ablegen müsse. Damit könne sie den Betrieb nicht aus eigener Kraft finanzieren.

Nicht oberste Priorität

Der Bad Freienwalder Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU) macht keinen Hehl daraus, dass das Fontanehaus für ihn keine Priorität hat. Er hält die Besucherzahlen vom vergangenen Jahr für ein Strohfeuer. Zudem erwarte er von der Tourismus GmbH ein Betriebs- und Wirtschaftskonzept mit Aufstellung der Kosten. Vor der Übernahme durch die GmbH habe die Stadt jährlich 2500 Euro aufgewendet, um die Öffnungszeiten abzusichern.
"Ich bin sehr enttäuscht, dass das Fontanehaus trotz der großen Kraftanstrengung auch von mir ganz persönlich geschlossen ist", sagte Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg. Fast 35 000 Euro Zuschuss organisierte sie, um die Ausstellung zu modernisieren. Weil die Mitarbeiter im Fontanehaus Bildung vermitteln, könnten jährliche weitere Zuschüsse abgerufen werden. Auch Kurator Michael Zajonz, der das Ausstellungskonzept schrieb, ist zutiefst enttäuscht von dieser Situation.