„Sein Tod reißt eine riesige Lücke“, sagt Carola Damaszek, seit dem Vorjahr die Ortsvorsteherin von Harnekop. Wie viele andere, kann sie es noch immer nicht fassen, dass Hans Jobst Liebich nicht mehr unter ihnen weilt. Nach längerer Krankheit ist der bis fast zuletzt so umtriebige Mitbürger, der nicht nur als Ortschronist für Sternebeck und Harnekop aktiv war, vor wenigen Tagen gestorben. Er habe sich immer für das Dorfleben engagiert, würdigte Carola Damaszek die Verdienste eines Mannes, der sich an diversen Stellen einbrachte.

Auch im Kirchenförderverein dabei

Unter anderem als Mitglied im Förderverein Dorfkirche Harnekop, der vergangenen Monat inzwischen auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblickte. Zudem hatte er seinerzeit die Leitung des Freundeskreises Graf von Haeseler übernommen. Ob nun Sturmbootrennen oder Erntefest, bei keinem jährlichen Veranstaltungshöhepunkt dieser Art durfte er fehlen, meist noch gleich mit der Kamera das Geschehen in eigenen Bildern für die Chronik festhaltend.

„Ein echter Pfundskerl“

Dieter Juritz, viele Jahre Ortsvorsteher in Sternebeck, hat nicht nur einen Mitstreiter bei etlichen Vorhaben in den beiden Ortsteilen der Gemeinde Prötzel verloren, sondern ebenso einen Freund. Seit den späten Sechzigern hatte er mit Liebich in der damaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) zusammengearbeitet: „Lange Zeit war er da mein Chef und als solcher ein echter Pfundskerl – streng, aber gerecht. Was er sagte, hatte Hand und Fuß, und selbst auf höherer Ebene hat man auf sein Wort etwas gegeben“, erinnert er sich.

Initiative für Gedenktafeln

Wie Dieter Juritz auch, gehörte Hans Jobst Liebich zu denen, die selbst im Ruhestand immer etwas zu tun haben. Vieles habe man da gemeinsam gestemmt, die Gedenktafeln an der Feuerwehr und auch für die Weltkriegsgefallenen aus dem Ort gingen auf Initiativen von Hans Jobst Liebich zurück. Dieser war übrigens, anders als man vielleicht vermuten mochte, kein Ur-Harnekoper, sondern erst in der Nachkriegszeit als Neubürger aus den ehemals deutschen Gebieten jenseits der Oder ins Dorf gekommen.

„Beinahe eine Doktorarbeit“

Dessen Geschichte zu erforschen und zu bewahren, hatte er sich zur vordringlichen Aufgabe gemacht. Ob es nun die Ursprünge der beiden Siedlungen waren, Details zum schließlich zerstörten und abgetragenen Schloss jenseits des nach diesem benannten Sees oder Episoden aus der früheren und späteren DDR-Zeit: Beim Ortschronisten konnten Neugierige mit ihren Fragen und Anliegen fast immer fündig werden. „Die Chronik, das ist schon beinahe eine Doktorarbeit“, wie es Juritz ausdrückt.
Bis zuletzt hatte Liebich sich von der Krankheit nicht unterkriegen lassen, berichtet Dieter Juritz. Gemeinsam mit Gottfried Lehmann, ein weiterer aus der alten Garde in den zwei Dörfern, hatte er ihn zum Geburtstag vor wenigen Wochen noch am Krankenbett besucht.